Arzt Patienten FEHL-Kommunikation: Ein Universallehrgang (Teil 1)

Lektion 1) Fragen Sie den Patienten nie wie es ihm geht…Nehmen sie als Arzt einfach an, dass es ihm gut geht…Super für die Bettensituation und den Patienten freut es auch, wenn der Arzt hellseherische Fähigkeiten hat….

Kontext: 20 Stunden nach Bandscheiben- und Stenose- OP , morgens 8:30 Uhr…
Neurochirurgin stürzt ins Zimmer mit dem Ausdruck vollendeter Wichtigkeit, im Schlepptau einen Pfleger (Wasserträger).: „Na, Ihnen geht es ja schon Bestens. Das hätte man so ja gar nicht erwartet nach der OP…Dann können sie auch gleich nach hause…Da können sie sich auch viel besser ausruhen…“
Okay, hier war ich dann in einem enormen Konflikt…:
1) Ich wollte UNBEDINGT nach hause…Ich hasse Klinika und die Nacht war schon HORRORMÄßig…Zwei alte schnarchende Frauen, die Sägewerkartige Geräusche von sich gaben, hielten mich von jeglichem Schlaf ab…Dieser Geräuschpegel und Schmerzen führte mich nachts um zwei Uhr in den Flur wo ich dann im im stehen versuchte einen Film auf meinem Laptop zu gucken..Frisch operiert mit Wunddrainage natürlich gar keine tolle Idee…Mein Kreislauf entschied sich zum zusammenbruch und ich wurde an ne Elektrolytlösung gehängt…Nach 4 Stunden Schlaf ging es mir aber JETZT sicher BESTENS…
2) Ich hätte am Liebsten gesagt: Ach, ja,sie brauchen das Bett, weil sie wie am Fließband operieren …
Da ich aber weder beleidigen wollte, noch sagen, dass mein Gesundheitszustand irgendwie nicht ideal ist, habe ich sie nur böse angeguckt…

Lektion Nr. 2) Warten Sie als Arzt nicht ab, bis der Patient sich entscheidet Ihnen zu antworten. Mit was immer der Patient gerade ringt: es ist völlig unwichtig…Versuchen sie es lieber mit autoritärer Bevormundung…:

Dazu muss man sagen, dass ich gerade stehend ein Brot in der Hand hielt…und mehr oder minder am Essen war. Woraufhin sie mich gleich noch anfuhr:„Was immer sie im Internet gelesen haben,nach einer Bandscheiben OP sollte man weder viel stehen noch rumlaufen… Sie dürfen sich setzen..SETZEN SIE SICH…“

(Okay, habe ich die Intelligenz einer wallisischen Hausschnecke? ……Ich konnte vor der OP MONATELANG nicht sitzen ….Gut, vielleicht wollte sie überprüfen, ob ich das kann. Ich fügte mich und guckte sie weiterhin böse an…und sagte nichts…)

Lektion Nr. 3) Wenn der Patient immer noch nicht antwortet und nicht in absolute Dankbarkeit verfällt, aufgrund IHRES GENIALEN Operationsergebnis; Erklären sie ihm wie gut die OP verlaufen ist…

NC: „Es ist alles nach Plan verlaufen..Der große Bandscheibenvorfall ist entfernt und die Wirbelbögen stehen noch…“
Ich (finde zu meiner Stimme zurück): „Und L4/L5 haben sie auch gemacht ?“
NC: „Sie wären unglücklich geworden, hätte ich das nicht getan…Nachdem ich den Massenvorfall beseitigt hatte und den Nerv und die Cauda freigelegt waren, fing ihr linkes Bein unwillkürlich an zu zucken.Da musste ich an die obere Etage auch noch ran…“
(Sehr vertrauenserweckend: Das war übrigens ein anderer Kommunikationsfehler : Ich WOLLTE an L4/L5 operiert werden, kam aber im OP Aufklärungsgespräch UMGEKEHRT an.. Aufgeklärt hat mich ein anderer Arzt, den ich bis dato nie gesehen hatte..Außerdem stand ich zu dem Zeitpunkt unter solchen Schmerzen, dass ich nur unterschreiben wollte…)

Lektion Nr 4) Geben sie dem Patienten genaue Anweisungen was er/sie nach der OP machen sollte. Das wichtigste ist das Thema Duschen. Vernachlässigenswert ist die Thromboseprophylaxe, die vergessen sie einfach beim Patienten.

NC: „Duschen können sie meinetwegen schon heute Abend.“
Pfleger erdreistet sich in das konfuse Gespräch einzugreifen:
Pfleger: „Also ich würde an ihrer Stelle noch drei Tage warten…So mit Wunddrainage…und geklebter Wunde…“
NC: „Ich bin der Arzt, wenn ICH sage…, dass SIE duschen darf, dann darf SIE duschen…“
(Aufgrund des Pro und Contra Duschen-Disputs ist den beiden das Thema THROMBOSEPROPHYLAXE wohl entfallen…)
Immerhin entfernte mir die gute Frau dann diese ÄTZENDE Wunddrainage: Auch das eine herrliche Fehlkommunikation des Vortags…Gelegt wurde sie mir, geöffnet nicht…und die Schwester konnte die Funktion dieser Wunddrainage einfach nicht einschätzen…Geschlossen machte die einen so großen Sinn…Aber immerhin drei Stunden später erreichte man telefonisch den Belegsarzt und öffnete das Teil und ich hatte ab dem Zeitpunkt nicht mehr das Gefühl es erquetscht mich was im Rücken..Auch wenn der Blutfluß dann nur minimal war..

Lektion Nr 5) Sie sehen als Arzt irgendwie ist dieses Gespräch dumm gelaufen und der Patient scheint kommunikationsgehemmt.., obwohl die OP doch so gut verlaufen ist..Das verwirrt sie als Arzt…Was machen sie dann (?)

NC: „Haben Sie noch irgendwelche Fragen?“
Ich: „Nee, kann ich jetzt gehen?“
NC: „Sie wollen doch nicht alleine gehen. Sie lassen sich doch sicher abholen…Das wäre MIR jedenfalls lieber..Sie sollten KEINE Tasche tragen..“
(Hatte ich auch nicht vor, wollte nur nicht mehr mit IHR reden)
Ich: „Nee, Ich lasse mich abholen….“
NC: „Gut, falls sie mir noch irgendetwas sagen wollen..Ich bin IN MEINER Praxis…“Rauscht in majestätischer neurochirurgischer Würde ab…
Ich. ?????
Pfleger: „Falls irgendwelche Probleme auftauchen…, können sie jederzeit wieder herkommen…“
Ich: ?????

(Gesprächsdauer geschätzte 5 Minuten…War also fast ein Verlaufsprotokoll)

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