Klinikschaos III: Revisions-OP Ja oder Nein? I

Meinung Nr. 1) Die Neurochirurgin…Bittet mich mit einem theatralischen Gesichtsausdruck ins Untersuchungszimmer…Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich jetzt denken, dass ich an einem unheilbaren Gehirntumor erkrankt sei…

NC: „Also Frau XY,das sieht wirklich nicht gut aus…Klickt durch die Bilder am Bildschirm…“

Ich: „Hmmh, also ich finde…es sieht gar nicht so schlimm aus..Vielleicht kommt es doch woanders her..BWS (Brustwirbelsäule), HWS (Halswirbelsäule)“

NC: (bekommt eine mentale Krise) „Denken Sie , ich verstehe meinen eigenen Job nicht..Ihre HWS ist  nahezu unauffällig und die BWS ist höchst unwahrscheinlich…Es gibt sogar Bilder ihres Gehirns…(Ja, da dachte ich tatsächlich NIE, dass man etwas aufregendes findet, aber NC1 schon)Was wollen sie eigentlich noch.“ (Na ja, ich will NICHT schon wieder operiert werden…Dann sucht der Patient unsinnige Ausflüchte)

Ich: „Ja, aber das ist kein Vergleich zu dem Massenvorfall den ich hatte und der hat lange Zeit  keinerlei Hypästhesien (Taubheiten) verursacht..Irgendwie finde ich, sieht der Spinalkanal noch relativ weit aus…“

NC: „Meinen sie ich habe den Facharzt in Neurochirurgie im Lotto gewonnen..? Wenn ich Ihnen sage, dass alle Probleme durch diesen Bandscheibenvorfall verursacht werden können, dann stimmt das..“

Ich: „Ja, aber wenn sie meine alten Bilder im Vergleich ansehen…“

NC: „Ich habe mir ihre alten Bilder gar nicht angeguckt…“

Ich: „Wieso nicht?“

NC: „Die sind gar nicht hier..““(Sind sie schon, denn die hatte der 1 Neurochirurg eingescannt…) „Aber das ändert auch nichts an der Tatsache, dass man diesen Bandscheibenvorfall operieren sollte..sie haben eine beidseitige Foramenstenose…Ihre Wurzel wird vermutlich abgequetscht und hier ist der BSV nach unten sequestriert, da haben sie gar keinen Platz…“

Ich: „Ja, aber mein Schmerz ist so generalisierend..Hmmh…Außerdem habe ich das ja auch in oberen Bereichen der Wirbelsäule…“

NC: (genervt, im Brüllton) „Das habe ich Ihnen doch alles schon einmal erklärt..Haltungsfehler, Verspannungen, die ganze Statik ihrer Wirbelsäule gerät dabei durcheinander…Auch wenn Sie sich belesen haben, müssen sie  MEINEN Fachkenntnissen als Neurochirurgin vertrauen…Wissen sie, wie geschädigt ihre Wirbelsäule ist?“

Ich: „Seufz..“

NC: „Das sehe ich sonst nur bei 80 Jährigen Omis…Facettengelenksarthrose, Osteochrondose…Dann diese knöcherne Enge…“

Ich: „Ja, und was schlagen Sie vor…? Sollte man das operieren?“

NC: „Also Frau XY das steht doch außer Frage…Sie müssen doch selbst so intelligent sein, dass man neuronale Strukturen nicht weiter schädigen sollte…sowas erholt sich nicht…Ich würde erstmal in einer Revisions OP L4/L5 machen und eine Laminektonomie“ (Entfernung des gesamten Wirbelbogens + Dornfortsatz)

Ich: (entsetzt) „Aber das führt doch zu Instabilitäten.“ (Habe eine Retrospondylolisthesis (Gleitwirbel)–eine Etage tiefer…)

NC: „Also Frau XY…Was denken sie sich eigentlich…..Wissen Sie wie oft ich Laminektomien durchführe? (vermutlich zu oft)…und bei KEINEM meiner Patienten ist es zu einer Instabilität gekommen…“

Ich: „Und S1/L5?“

NC: „Das würde ich erstmal so lassen…Sie haben ja momentan mehr Beschwerden an L4/L5..Gut sieht das allerdings auch nicht aus…Mit dem Narbengewebe und  einer neuen Vorwölbung…“

Ich: „Also soll ich mich jetzt alle 4-5 Monate an den selben Stellen operieren und nachkorrigieren lassen…?“

NC: „Frau XY: Wir sind ein Universitätsklinikum (Und???) . Bei uns werden Patienten vernünftig behandelt.  Die da oben arbeiten wie am Fließband und machen 10 solcher OP’s die Woche..Wissen Sie wieviele Rezidive (nachgerutschte Bandscheibenvorfälle nach OP) wir von denen sehen—Wir hingegen machen nur 4-5 OP’s die Woche …Daher können wir uns viel länger Zeit bei einer solchen OP lassen und auch die Foramen besser frei arbeiten…(Bei einer kompletten Laminektomie auch keine Kunst: Damit die Assistenzärzte schön üben können)

Ich: „Und wann sollte ich mich operieren lassen?“

NC: „Sofort…Wir haben doch keine Wartelisten…Bei solch einer Symptomatik..Damit wollen sie doch jetzt nicht noch länger rumlaufen…Ich habe ihnen doch schon einmal gesagt: Sie laufen Gefahr ein Cauda Syndrom (Blasen-Mastdarmschwäche) zu bekommen. Sie können sogar querschnittsgelähmt werden, wenn sie so weiter machen…“

Ich: „Hmmh..“

NC: „Klickt durch die Bilder: Sehen sie wie eng das hier ist? Beidseitige Foramenstenose, Cauda komplett gedrückt…Linke Wurzel womöglich gequetscht. Sie sind doch weder arbeits- noch lebensfähig in diesem Zustand… Sie können auch zu einem Schmerzarzt gehen und sich auf Oxycodon setzen lassen und abwarten bis sie eine Lähmung bekommen.“

Ich: „Ja,  ich weiß nicht… Ich glaube, ich werde mir nochmal die Meinung meines Hausarztes anhören.“

NC: (spöttisch) „Die Meinung des Hausarztes(?) Sie können sich auch gerne eine qualifzierte Meinung eines anderen Neurochirurgen anhören. aber sie haben schon zwei Meinungen…Von mir und meinem Chef…Sie sind in …geboren. Möchten sie ihr weiteres Leben so führen…Sie können nicht mehr joggen…Bald haben sie motorische Ausfälle“

(Schwester stürzt rein, genervt: Wo bleiben sie denn, im Gesicht stehen…Tja, manchmal ist Patienten zu einer OP zu bekommen, doch gar nicht so einfach…)

NC: „Ich muss jetzt leider gehen…Überlegen sie sich die Sache nochmal…Sie sind noch so jung“ (legt mir ihre Hand auf den Rücken) : „Wir können Ihnen wirklich helfen…Vertrauen Sie mir…“

Ich: (überrascht vom nun empathischen Umschwung): „Ja, ich werde es mir überlegen.“

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