Klinikschaos 4..TEIL I

Mein Schweigen der letzten Tage in meinem recht neuen Blog erklärt sich allein aus der Tatsache, dass ich mich dann doch der Variante Re-Operation unterzogen habe…, allerdings nach Konsultation einer Zweitmeinung in einer ‚Spezialklinik‘ in der ich mich dann auch operieren haben lasse.

Das Ganze gestaltete sich aber ebenso abenteuerlich wie das Uniklinikum, wobei hier mehr das Problem die ‚Fremdsprachenbarriere‘ ist…Nein, ich befinde mich nicht in Usbekistan, sondern in ein renommiert, gelobten Fachklinik…In der begegnete ich dann erstmal dem Neuochirug Dr….X, der wohl jedes Klischeebild zerstört, was man sonst so über Neurochirurgen hat oder denkt…Von der Statur erinnert er an einen mittelschweren Braunbären…150kg Lebendgewicht mit stark gebrochenem deutsch (Irgendwas osteuropäisches ) würde ich schätzen…Diesem Herrn habe ich dann am Montag erklärt, dass dieser Minibandscheibenvorfall, der eben beidseitig meine Foramen eineengt (doch nicht so schlimm,wie ein Massenvorfall ist?) nicht für meine sämtlichen Taubheiten verantwortlich sein kann, aber auch Herr X war der Meinung, dass das durchaus so hinhauen könnte und riet mir dann zur OP…(Wobei ich nie so genau verstanden habe, inwiefern mich X nun versteht oder nicht versteht..Er ging wohl mehr nach den Bildern…

Nachdem mich also X überzeugt hatte, dass ich mich re-operieren lassen sollte und mir versicherte er würde es mit einer Hemilaminektomie mit undercutting zur Gegenseite versuchen, bin ich dann am Donnerstag den 12 in dieser tollen Klinik eingecheckt und das war ein echter Horrormäßiger Alptraum…Ich auf einem super hohen Schmerzlevel und die erste Frau , die mir begegnete (Krankenpflegerin und recht nett), meinte zu mir: Wie sie sind sooo jung und wollen sich schon wieder an der Bandscheibe operieren lassen???? (Klar, ich finde alle 5 Monate sollte nach gebessert werden) Gehen sie doch lieber in unsere Orthopädie, die sind weltweit führend…Neurochirurgen , die schneiden raus was geht und dann wird es instabiler und instabiler und dann droht ihnen letztlich doch die Versteifung…(Toller Start)

Highlight war aber dann der aufnehmende Stationsarzt Z…(arabischer Herkunft) mit noch besseren Deutschkenntnissen als der Oberarzt ..Dieser fragte mich zunächst: Wo haben sie Schmerzen und ich erklärte ihm mein diffuses Schmerzbild und er sagte mir, dass kann alles eigentlich gar nicht sein… und ich hätte ein psychisches Problem und sollte lieber in eine Psychosomatik gehen, da ich ja schließlich auch eine Essstörung habe (Hatte er aus meinen Akten. Momentan aber GAR NICHT akut) (Danke!) Auf meinen Einwand, dass er meine MRT Bilder doch gar nicht kennen würde, meinte er: „Ich behandle Menschen und keine Bilder…“(Klar, aber irgendwie muss man das eine mit dem anderen ja wohl doch kombinieren…) Gespräch verlief super konfus : ich zeige auf die Seite meines Oberschenkels…Er meint, die Frontseite würde nicht zu dem Vorfall passen…(L1, L2) Ich erkläre ihm , dass ich WEIß wo mein S1 Nerv verläuft (auf die Frontseite hatte ich ja auch gar nicht gezeigt) und er ist beleidigt, weil Patienten können das doch gar nicht wissen…(Ich habe da ne Nervenschädigung, daher einen gesicherten Verlauf)

Zweites Highlight: Wir wollen noch mal die Lendenwirbelsäule röntgen (Funktionsaufnahmen) Wie mein MRT will er nicht sehen, aber Funktionsaufnahmen..??? Bringt wohl Geld..Also bitte… Machen sie..Fragt mich daraufhin wann ich meine Menstruation hatte??? Ich: Müsste sie eigentlich bald bekommen. Ich kann definitiv nicht schwanger sein, das ist ausgeschlossen (

Stationsarzt: Verstand wohl den ersten Satz nicht und fragte: „Wie sie haben eine Amenorrhoe“ (Ausbleiben der Menstruation)?

Ich: „Nein…“

Stationsarzt: „Hier steht aber etwas von einer Essstörung (Unterlagen des Neurologen, wo ich alles chronische und nicht chronische aufgelistet hatte, aber ohne Detailinformation)“

Ich: „Ja, ich habe eine LATENTE Essstörung, die ist aber momentan nicht akut…“

Stationsarzt: „Da machen sie sich aber was vor, wenn sie eine Amenorrhoe haben…“

Ich: „Ich habe doch gar keine…(Es ist sicher das ich NICHT schwanger bin, da ich keinen SEX hatte. Neben mir saß mein BRUDER..und ich fand es irgendwie unpassend da weiter drauf einzugehen..Hemmschwelle)“

Stationsarzt: schreibt Amenorrhoe auf…“Gehen sie lieber in eine FACHKLINIK für Essstörungen…Waren sie schon mal in einer psychosomatischen Klinik für Essstörungen?“

Ich: „Nein, ich war noch nie in einer Fachklinik für Essstörungen, das ist momentan auch nicht so akut…Ich habe im Moment eigentlich eher ein chronisches Schmerzsyndrom aufgrund meiner Rückengeschichte…“—

Stationsarzt: „Die Rückenschmerzen, die sie haben kommen, aber vermutlich von der Essstörung…“

Ich: „Ich hatte NOCH NIE in meinem gesamten Leben Rückenschmerzen, auch nicht während der HOCHAKUT Phase meiner Essstörung. Erst seit der letzten OP…Vorher hatte ich IMMER nur Beinschmerzen und jetzt sind BEIDE Beine taub…“

Stationsarzt: „Das kann gar nicht sein (Hat sich meine MRT Bilder IMMER noch nicht angeguckt)“ Stationsarzt: „Legen sie sich da mal hin. Ich untersuche sie jetzt mal jetzt…

Drücken sie mal gegen meine Hände..“

(Ich drücke dagegen)

Stationsarzt: „Drücken sie mal fester (Kann ich nicht)…Warum machen sie das jetzt nicht…???

Ich : Ich kann es nicht…“ (Ich habe eine beidseitige FORAMENSTENOSE…Mein Fußheber ist geschädigt)

Stationsarzt: „Sie haben in neurochirurgischer Hinsicht gar nichts.“

(Das Uniklinikum meinte ich habe eine Fußheber und Senkerschwäche LINKS + es ist auch im NLG eiegntlich ersichtlich gewesen)…

Stationsarzt: „Nehmen sie mal den kleinen Finger und den großen Finger und legen sie ihn um die rechte Hand…“

Ich mache das…

Stationsarzt: „Sie haben ein Marfan Syndrom—“

Ich: „Meine AORTA (Herz) funktioniert aber noch ganz gut…Im Optimalbereich..“

Stationsarzt wohl verblüfft, dass ich weiß, was ein Marfan Syndrom ist…: „Das hat ihnen schon einmal jemand diagnostiziert?“

Ich: Nein, ich habe Kollagenosen gegooglet…und meine eigene Ausschlussdiagnostik betrieben (Deutet wieder auf PSYCHOSOMATISCHEN TICK)

Stationsarzt: (runzelt die Stirn)

„Okay, ich nehme sie trotzdem auf, wenn sie unbedingt WOLLEN…“ Schickt mich vor die Tür..Warten auf das Gespräch mit dem Narkosearzt…

(Man muss sich das GANZE GESPRÄCH mit wesentlich gebrochenerem Deutsch vorstellen..Der ARZT war nur in den MEDIZINISCHEN Begriffen bewandert…)

(Ich: Den Tränen nahe und an meinem VERSTAND zweifelnd)

Zu meinem Bruder: „Soll ich wieder gehen???“

Bruder: „Irgendwie hätte ich wohl zwischen euch beiden vermitteln sollen. Das lief ja gerade nicht so gut…Du hättest aber auch nicht so hoch gehen sollen und genervt sein…Vielleicht hätte ich dem mal sagen sollen, dass ich der Bruder und nicht dein Freund bin“ (hätte ER!)

Ich: „Ja, aber meinst du alles ist jetzt doch nur ne Kopfsache…Ich meine: Irgendwie passt es wirklich nicht, bei mir zieht alles nach oben…: Es kommt mir schon seltsam vor, dass ich vorwiegend Rücken und keine Beinschmerzen habe…“

Bruder: …Ich weiß , dass du noch nie Rückenschmerzen hattest, selbst während deiner Essstörungszeit etc. hattest du ja eigentlich nie Schmerzen..Ich weiß aber nicht was ich dir raten soll..ich bin kein Arzt…Aber du hast Ausfälle…Ich meine: Ich sehe : Wie du oft läufst, du knickst um und weg etc…Das ist nicht normal…Höre dir doch erstmal an, wie es weiter geht…“

Runde Nummer 2: Das Narkosegespräch….

Auch die Anästhesistin (Narkosearzt) startete mit demselben Highlight: „Wie sie sind doch noch so jung und schon das zweite Mal unters Messer…“ Ich bekomme einen halben Zusammenbruch erkläre ihr was der Oberarzt gesagt hat und was der Stationsarzt meinte und sie daraufhin: „Ich bin doch nur Anästhesistin: Ich kann ihren Fall doch gar nicht beurteilen…Haben sie noch Fragen zur Anästhesie(?)“

(Nein, also ehrlich gesagt, war ich bedient…Okay, ich habe mich belehren lassen, war aber mit meinen Gedanken eh völlig woanders.(Wobei ich das ja eh schon kenne und sehr gewissenhaft meine ‚Risiken‘ angebe) Aber den Akt des Aufklärungsgesprächs halte ich mehr für eine Formsache…Jedenfalls war ich nach dieser super Aufklärung von total aufgeklärten Menschen zu meinem Fall so verunsichert, dass ich gehen wollte und nun also wieder derselbe Trip…Bilde ich mir nur alles ein? Was ist jetzt genau Sache hier? Ich hatte nämlich NULL Lust auf eine Reoperation, aber ich hatte eine Taubheit im Anal-Genitalbereich, diffus in beiden Unterschenkeln und motorisch zwar nicht direkt ersichtlich Schwächen, aber ich konnte definitiv nicht mehr lange auf den Fersen laufen.., mich nach hinten lehnen…Rechts und links knickte mein Bein nach Belastung einfach weg…Also ein super Zustand….Noch dazu litt ich unter entsetzlichen Rückenschmerzen, die mich fast um den Verstand brachten..Alles in Allem ein unhaltbarer Zustand und da ja tatsächlich auch Nerven abgequetscht wurden, dachte ich mir: Einen Versuch ist es wert..Auch wenn mir weder Arzt I noch Arzt II auf Anhieb als extrem vertrauenserweckend oder sympathisch erschienen..Okay, der Braunbär hatte was, der nahm meine Zweifel und medizinische Pseudokompetenz mit stoischer Gelassenheit und fühlte sich nicht beleidigt…Das Privileg des Oberarztes), aber irgendwie fragte ich mich warum die da so einen GUTEN Ruf haben…

Seltsam fand ich wie leer die Station war und das im Gegensatz zur Orthopädie , die Neurochirurgie unterbelegt zu sein schien.(Später erfuhr ich, dass der DEUTSCHE Chefarzt gerade im Urlaub war und sich somit wohl niemand gerade operieren lassen wollte.) Also ich kam in ein Zweibettzimmer mit einer recht netten, einfach gestrickten , skurrilen Persönlichkeit, die alles in diesem Krankenhaus für toll und lobenswert hielt, ob es nun das Essen oder sonst etwas betraf…und sich dort total aufgehoben fühlte…Sie wies ich dann auch gleich in : Wie melde ich mein Telefon an? Wie läuft das mit der OP am nächsten morgen..Ihr ging es seit der OP einfach nur toll und ich solle doch Vertrauen haben..Das Essen schmeckte ihr auch ganz prima und am liebsten würde sie ja gleich dableiben…(Ich empfand ja eher einen Fluchttrieb und hätte mir gewünscht gehen zu können…, aber ich entschied mich: Ich lass mich operieren…Ich kann nicht noch mehr Meinungen einholen)

Na ja, also 1 Tag außer EKG und Bluttest (jeweils mit Stunden an Wartezeit verbunden und wieder PERFEKTEN Ergebnissen) war einfach schlicht und ergreifend langweilig…Was so renommiert an dieser 70er Jahre Plattenbauklinik sein sollte, konnte ich beim besten Willen nicht erkennen, außer das es Personal mäßig wohl nicht ganz so schlecht aussieht wie an unserer super Uniklinik…Die Krankenschwestern waren zwar auch zu 90% ausländischer Herkunft, aber im Gegensatz zu den Fachärzten hatten sie wohl mehr Praxis im REDEN mit den Patienten und eigentlich waren sie erstaunlich freundlich, somit konnte man sich mit denen immerhin ganz gut verständigen..Man kann ja nicht alles gleichzeitig haben…Das Pflegepersonal war jedenfalls durchweg bemüht, nett und anfangs stets zur Stelle…(Später kamen dann so viele Schwerstpatienten, dass sich die Sitaution wieder drehte und auch hier ein PFLEGENOTSTAND zu erkennen war…Aber dazu später mehr)

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