Klinikchaos 4 Teil II – Blasenproblematik I

Also vorweg genommen: Ich würde JEDERZEIT wieder in diese Klinik gehen…, obwohl ich bezweifle, dass die mich dort als Patient gerne wieder sehen würden: Insbesondere der Oberarzt liebte meine ständigen Stimmungsumschwünge: Och, ich glaube es ist psychisch oder doch medizinisch oder, oder: Er hat mich jedenfalls mit den Worten verabschiedet: Frau XY sie lesen zu viel und sie denken zu viel…(Da hat er RECHT…)

Er fand mich völlig überspannt, (bin ich auch) was man nach 2 OPs in 5 Monaten sicherlich auch sehr gut nachvollziehen kann…Es ist schon erstaunlich, dass ich die erste OP quasi ambulant über die Bühne gebracht habe und 21 Stunden nach OP (nach gezogener Wunddrainage) nach hause verabschiedet wurde..

Mein Zustand nach der 2 OP war ein ganz anderer…An Tag Nr. 1 habe ich ein fast komplettes Blackout…Ich erinnere mich nur daran, dass Personen mich ständig gefragt haben, ob ich wirklich meine Füße nicht bewegen könne und ich soll doch mal DAGEGEN drücken…Ich habe weder meine Füße gespürt noch war ich besonders motiviert: Ich wollte nur schlafen und in Ruhe gelassen werden..Also ich war in einem tollen Dämmerzustand…

Nachts bin ich zur Freude der Nachtschwester dann halb aus dem Bett gefallen…(Das erste woran ich mich wirklich erinnere) Zumindestens habe ich es geschafft eine Klingel zu bedienen, weil ich nicht mehr hoch kam…Die gute Frau hat fast einen Herzinfarkt bekommen und mich angebrüllt: WAS MACHEN SIE DENN???  Ich so…hmmh, keine Ahnung bin mit den Füßen runtergerutscht und komme nicht mehr hoch..Zusätzlich fand ich es seltsam, dass ich mit Elektrolytlösung quasi dauerzugepumpt wurde und fühlte mich schon wie eine aufgeblähte Flüssigkeitsansammlung…Dies führte natürlich zu einem menschlichen Problem und Grundbedürfnis: Sehr volle Blase…

Da diese Klinik, die Regelung hat, dass Patienten 2 Tage nach Bandscheiben OP still im Bett liegen sollen, ist also die Lösung Nr 1 Schieber…(Mir sau peinlich, außerdem hatte ich sowieso weder Ahnung wo meine Blase war, noch wie ich diese ansteuern sollte..In der Horizontalen wusste ich auch nicht wie man Blasendruck erzeugt..) Nach drei Versuchen von jeweils 15 Minuten und genervten Schwestern kam dann Wahl Nr. 2 )manuelle Katheterisierung…(auch aufwändig und ist ein super unangenehmes Gefühl….Aber um 1100ml erleichtert, fühlte ich mich dann doch etwas besser…)

Interessant ist es dann auch an Tag Nr.2 zu essen: Man darf ja nur liegen, sich nicht verdrehen und kommt daher überhaupt nicht an die Sachen ran…, also hat man an diesem Tag den Luxus der Essensbetreuung…und da in meiner Akte ja nun mal Essstörung stand, motivierte dies Pfleger Nr. 1 morgens mein Brötchen mit Butter und Marmelade zu ertränken…mit dem Kommentar: Sie brauchen viel Energie nach einer Bandscheiben OP….Essen sie…Ich persönlich hatte an diesem morgen sowas von gar keine Motivation etwas zu essen, dass ich mehr Zeit damit verbrachte das Brötchen feindlich anzustarren…, denn irgendwie wurde mir nach 4 Bissen so richtig übel, worüber besagter Pfleger nur den Kopf schüttelte… Außerdem merkte ich, dass meine linke Unterlippe irgendwie unnatürlich dick angeschwollen war…, wohl ein kleiner Anästhesie (Narkose) Unfall…Auch meine Oberarme zierten ein paar schöne blaue Flecken, sodass ich schließe: Anästhesist (Narkosearzt) und Pflege hatten einen leichten Fight mit mir…An den Aufwachraum erinnere ich mich diesmal auch gar nicht…

Na ja, jedenfalls konnte ich an Tag Nr.2 prima meine Füße bewegen, was den Oberarzt erleichterte, der irgendwann Samstags plötzlich in voller 150kg Statur vor mir stand und meinte ich solle mal gegen seine Hände drücken…Ich so: HMmh, bin gerade auf dem SCHIEBER (Versuch Nr.5 oder 6) „Aber sie können ihre Füße wieder bewegen?“ Ich:“Konnte ich meine Füße nicht bewegen?“ Oberarzt sagt gar nichts und zieht genervt und oder erleichtert wieder ab..Die Deutung des Gesichtsausdrucks fällt mir in dem Falle schwer…Vielleicht suchte er ja eine Samstagsbeschäftigung..Re-Operation wäre bestimmt interessant —

Ich war aber mit einer viel wichtigeren Sache beschäftigt: Meine Blase funktionierte immer noch nicht…TOLL…Folge: Genervte Krankenschwestern…Abends wurde dann entschieden,mich doch mal kurz zu mobilisieren, im Stehen funktionierts ja, evtl (In dieser Klinik darf man nach Bandscheiben OP auch 6 Wochen nicht sitzen)…Ich habe dann auch gute 15 Minuten stehend in der Toilette verbracht und nöö, meine Blase streikte und ich war in Panik Mode…, denn nee : Ich wollte keine Katheterisierung…Aber das war den Krankenschwestern dann auch egal, denn es waren ja schon wieder fast 20 Stunden…

Am nächsten Tag durfte ich dann laufen, wunderbar—-funktionierte auch…, wobei es nicht wie nach der ersten OP ein ultimativ tolles Gefühl war und die Taubheit in beiden Beinen und auch im Genitalbereich noch ziemlich ausgeprägt…Meine wirklich total bescheuerte Unfähigkeit meine Blase anzusteuern  blieb allerdings bestehen (Ich kam mir so RICHTIG doof vor…) Tag 3 habe ich überwiegend hin und her rennend zwischen Toilette und Bett verbracht (Ich kann mich prima in Betten rein und raus rollen…Super Technik)…Krankenschwestern fragten mich so ca. alle 2-3 Stunden: Hatten Sie jetzt eine Blasenfunktion (Nein!) Haben sie es denn probiert? (Tue ich überhaupt etwas anderes???) …Also wenn sie das bis X nicht schaffen, MÜSSEN wir sie katheterisieren…UND natürlich ich wurde katheterisiert…

Stationsarzt am nächsten Tag bei der Visite: “ Ja,woran liegt das…Spüren sie Blasendruck(?) Merken sie wenn ihre Blase voll ist“

Ich: „Ja, ich denke schon…Ich glaube das ist psychisch…“

Stationsarzt: „Wieso psychisch?“

Ich : „Keine Ahnung…Ich habe eine mentale Blockade…Ich will das es funktioniert und es funktioniert nicht…“ (Außerdem will ich nicht katheterisiert werden,das finde ich eine abartige Strafe…Ähnlich wie prügeln…)

Tag Nr. 4:Heute ist meine Strategie das Blasenproblem zu ignorieren und nicht alle 5min zur Toilette  zu rennen…Funktioniert super…8 Stunden später gehe ich auf Toilette und es passiert: Na, eben nix…GANZ toll…Also steht mit wieder so eine Krankenschwester im Nacken,die meint, dass man nicht ständig solange warten sollte, bis ich halb überlaufe…Bettele um 2 Stunden mehr Zeit für meine Blasenproblematik…Krankenschwester ist unüberzeugt…Ich steigere mich wieder in das Spiel: Renne zur Toilette und zurück  und nöö, es funktioniert nicht…Warum eigentlich nicht ????…Ich bekomme langsam Krämpfe…Irgendwas tut weh…super…Also gut: Ich gebe auf und werde katheterisiert…Es gibt ja auch immer ein morgen eine psychische Blasenblockade zu überwinden…

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