Tag I: Nach der Operation

Im Regime dieser Klinik ist es für Patienten üblich 48 Stunden nach Bandscheiben-OP im Bett rumzuliegen und nicht ‚mobilisiert‘ zu werden…Ich hatte ja am Samstag noch gehofft, dass Liquorfistelentfernung anders gehandhabt wird, aber der Chefarzt, der vormittags vor mir stand und mich mal wieder aufforderte meine Füße zu bewegen, fand: ‚Ach, das ist ja noch ganz schwach.‘ (Dies sagte er in einem freundlichen großväterlichen Tonfall als sei ich ca. gerade mal 3 Jahre alt)…und somit sollte ich auch Sonntag noch liegend verbringen…
Ganz, ganz toll—Ich hätte ja gerne protestiert und mich für ultimativ fit erklärt, aber außer dem Umstand mich sehr wach zu fühlen, sprach nun nix wirklich dafür…Außerdem stand da der Chefarzt in Freizeitklamotten vor mir und das regte gleich mein schlechtes Gewissen… Hoffe, mal nicht, dass der Chefarzt Samstag antanzen musste, weil ich mich eben am Freitagabend dazu entschieden hatte Notfallpatient zu werden…Also hielt ich mich mal Ausnahmsweise an den Lehrsatz: Gib als Patient keine Widerworte und ergab mich meinem Schicksal…
Noch größere Freude bereitete mir mein immer noch bestehendes Blasenentleerungsproblem, dass der Oberarzt (wohl telefonisch) schon mit der Bemerkung: dann eben Dauerkatheter quittiert hatte und was nach kurzem Intermezzo auch so bestätigt wurde: Chefarzt meinte Einmal-Katheterisierung sei doch okay und entschied sich dann doch zu Dauerkatheter um…
In meinem Kopf regte das also die Frage an: Wie kaputt ist nun dieser tolle , nicht sehr regenerierungsfähige Nerv? Aber ich beschloß in dem Moment keine (massive) neurogene Blasenstörung zu haben…(Sofern man so etwas beschließen kann oder nicht..Ich nenne es den Anflug: Denke positiv!)
Ein Dauerkatheter sollte mir Recht sein, denn ich hatte def. keine Lust das Dienstpersonal alle 5 Sekunden mit Katheterisierung zu beschäftigen…Mal vom Peinlichkeitsfaktor abgesehen…Es ist absolut nicht mein Ding alle fünf Sekunden um irgendetwas zu bitten und zu betteln…Ich bin ungerne Patient…und ich finde diese Seite der TOTALABHÄNGIGKEIT in jeglicher Form furchtbar, aber da ich an diesem Tag  ja nur liegen durfte und man die ersten zwei Tage das messen von Vitalzeichen auch noch für unabdingbar hält, bekam ich relativ häufig irgendjemanden vom Pflegepersonal zu sehen…Infusion anhängen (Ja, ich hing immer noch an der Elektrolytlösung), Fiebermessen, Blutdruck messen, Essen bringen usw…

Persönliches Highlight war dann noch: Der Besuch meiner Mutter…Mein Bruder hatte sie also nicht davon abhalten können ihrer ‚Taugenichts‘ Tochter einen Besuch abzustatten und ich wusste nicht, ob mich das Ganze jetzt nervte oder doch irgendwie freute..

.Ja, ich komme aus einer völlig dysfunktionalen Familie und meine Mutter hat irgendwann in meiner Pubertät beschlossen in einen Dauerwutzustand zu kommen, den sie mit Vorliebe hinter verschlossenen Türen an ihrem (mittlerweile toten) nicht ehelichen Gatten und Kindern ausließ…Ich war ja eigentlich lange das Lieblingskind. Physisch abbekommen hat es weitgehend meine kleine Schwester, für die ich jetzt stellvertretend und nachhaltig sauer bin…Mich pflegte  meine Mutter nur psychisch fertig zu machen, was für mich aber genug ist, sie NICHT direkt nach einer OP sehen zu wollen…

Obwohl ich ja weiß, dass meine Mutter nicht in einem Krankenhauszimmer explodieren würde, finde ich es doch irgendwie ziemlich scheinhaltig, — eine reine Show —wie sie sich nach außen gibt…

5 Sekunden mit ihr allein und ich weiß wieder: wie sehr ich mißraten bin und was ich in meinem Leben alles nicht geschafft habe…Sie könnte mir gleich ein T-Shirt schenken , aufdem: ‚Versager‘ drauf steht…, dann hätten wir das wenigstens geklärt..

Ich weiß: Es sollte mir in meinem Alter egal sein, was meine Mutter über mich denkt oder nicht denkt…, aber das ist  leichter gesagt als getan…Krankhaft : Vermutlich….

Und klar, kann ich jetzt spekulieren , inwiefern meine Wirbelsäulenerkrankung etwas mit meinen psychischen Unzulänglichkeiten zu tun hat: aber gibt es wirklich einen Zusammenhang zwischen A und B…? Könnte ich eine Liquorfistel mit Psychotherapie beschwören oder meine geschädigten Nervenwurzeln mit Gesprächen gut zu reden???

Vielleicht sollte ich doch mal zu einem Geistheiler gehen oder anfangen Globuli zu schlucken…

Manche schwören ja auch auf Bachblüten oder ein Kloster… Es gäbe so viele schöne Alternativen zur Schulmedizin oder der eigenen Alternative…

Eremit als Lebensziel…

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