Operation Großzeh, Weihnachtsgeschenke und eine Beerdigung

Der Tag begann mit einer milden Kleinkatastrophe (I)…Der Realisation: Och, ich habe einen ansatzweise,eingewachsenen Zehennagel…Unguis incarnatus —wie ich bei Wikipedia nachgeschlagen habe…Das einzig schöne an der Sache: ich habe ja eh kaum Gefühl in meinem linken Großzeh, daher finde ich es gar nicht schmerzhaft…Dachte ich mir also…: Warum Ichtholan Salbe drauf schmieren? Da kann ich da ja ein bißchen rumexperimentieren und versuchen das eingewachsene Stück Nagel mit der Schere zu entfernen…(Also genau was man nicht tun sollte) Das kam dann nicht so gut und führte zu einem stark blutenden Zeh,weil ich leider auch irgendwie ein bißchen zu tief in die Haut geschnitten hatte, wobei oberflächlich…Nun ja, ein bißchen entlastet hat es den Zeh schon. Es eitert nicht mehr, aber wenn der jetzt an der Stelle nach wächst, geht das Problem von vorne los…Dennoch was soll es???? Ich habe ja kein Gefühl im Zeh…Da kann ich doch recht einfach nach schneiden…

Kleinkatastrophe Nr II: ich habe immer noch nicht alle Weihnachtsgeschenke und kann mich derzeit kaum entscheiden, was ich wem schenken will…Meine kleine Schwester war einfach. Sie ist 15 (halb so alt wie ich)und steht auf Vampire…Sie bekommt einen Victoria Frances Kalender und die Hälfte des Geldes zahlt mein Bruder…Bei sonstigen Familienmitgliedern bin ich recht ratlos…Starbucks Kaffee Gutscheine habe ich besorgt….Meine Tante bekommt irgendwas buddhistisch esoterisches…, weil sie es mag und meine Mutter bekommt auch etwas buddhistisch esoterisches, weil sie es nämlich nicht mag… Auf sie bin ich nach wie vor nachhaltig sauer, denn sie hat mir nach meinem letzten Klinikaufenthalt im Krankenhaus die ‚Beziehung‘ gekündigt…Was das sollte, ist der ganzen Familie unklar…Aber ich definiere es Mal als im hohen Alter immer noch nicht Erwachsensein wollen…Bei dem Streitgespräch ging es nämlich darum, dass ich sie vernachlässige und mich zu wenig um Sie kümmere…Dass ich ihre Tochter und nicht ihre Mutter bin, gerade zum dritten Mal operiert worden war und so etwas überhaupt nicht gebrauchen konnte, hat sie leider noch nie verstanden…Aber leider leidet sie nach einem mißglückten Versuch von Psychoanalyse unter einem generalisierten Wutzustand, der immer in den absurdesten Situationen aus ihr hervorbricht.Immerhin mich hat sie ja nie geschlagen…Meine Schwester schon… Deshalb denke ich darüber nach ihr das Buch: Umarme deine Wut. Sutra der Vier Verankerungen der Achtsamkeit von Thich Nhat Hanh schenken…Da ich selbst grundlegend auf sie wütend bin, sollte ich es vielleicht vorher selbst lesen, damit ich im Zen-Zustand darüber predigen kann…

Katastrophe Nr III: Es erschien mir gen Abend seltsam, dass ich 5 Messages meiner Familie auf meinem abgeschalteten Handy hatte und ich dachte, ruf doch mal lieber zurück…Auch wenn ich sie am Freitag eh schon sehen muss…Also meine kleine Schwester in ihr betreuten Wohngruppe angerufen und diese teilte mir dann mit, dass meine ‚Kindheitsfreundin‘ ihr Frühgeborenes verloren hat und dieses am Donnerstag beerdigt wird…Darüber hinaus wird sie auch keine Kinder mehr bekommen können,da bei ihr eine komplette Hysterektomie durchgeführt wurde…Sie wurde wegen Plazenta Ablösung not- operiert und hat die Sache selbst gerade so überlebt. Das Kind hielt ein paar Monate durch mit mehreren OP’s an nahezu allen wichtigen Organen…Am Samstag wurde es für Hirntod erklärt und heute die Maschinen ausgestellt.

Meine Schwester erklärte mir dann noch, dass meine Mutter ihr gesagt habe, dass meine Kindheitsfreundin wolle, dass ich zur Beerdigung komme…Ich glaube zwar eher, dass meine Mutter will, dass ich zur Beerdigung komme, aber in so einer Sache wäre ich so oder so dorthin gegangen, denn irgendwie sind wir ja schon die ersten 12 Lebensjahre in gewisser Weise miteinander aufgewachsen. (Meine und ihre Mutter waren beste Freundinnen)..Außerdem weiß ich aus Erfahrung,dass es wichtig ist, wenn auch alte Bekannte etc. bei solchen Gelegenheiten Interesse zeigen. Als mein Vater starb, war ich z.B. dankbar, dass sein Ex-Arbeitskollege und mein zweiter Ziehvater (R) (auch mittlerweile an Gehirntumor verstorben) am Grab auftauchte….
Dennoch fällt mir es schwer….Ich habe eine gewisse Tendenz zur Übersensibilität und hoffe nicht am Grab oder in der Kirche in Tränen auszubrechen. Außerdem weiß ich auch nicht so Recht, was ich ihr schreiben soll…Diese ganzen Trauerkarten mit: Es wird wieder Licht..–.nach großem Leiden…–gefallen mir nicht…Es ist eine dieser Situationen, wo es mir persönlich eher die Sprache verschlägt, man ringt nach Worten und bringt allenfalls noch irgendwelche Floskeln hervor. Und auch ich mag es ja nicht,wenn man mich offen direkt auf den Verlauf meiner Krankheit anspricht. Meiner wechselnden ‚Gehbehinderung‘, Blässe etc…Dem Verfall meines Körpers…Die Linie zwischen aufrichtiger Anteilnahme und Mitleid ist oft sehr schmal (Über Mitgefühl spreche ich lieber nicht, denn ich bin der Überzeugung, dass was sie durchmacht NICHT so fühlen zu können..ich kann es in teilen nachvollziehen..Vielleicht sogar durch meine eigene Fehlgeburt und der Unsicherheit in meinem körperlichen Zustand je nochmals Kinder bekommen zu können, evtl. etwas besser als Andere, aber ich bin sicher nicht in derselben Situation. Ob ich ihr das schreiben sollte,weiß ich nicht, denn ich möchte nicht meine Geschichte anstelle ihrer setzen…Habe aber auch keine Lust irgendwelche Platitüden von Trauerbewältigung und kommenden Regenbogen zu schreiben. Fakt ist: Selbst 5 Jahre nach dem Tod meines Vaters und 2,7 Jahre nach meiner Fehlgeburt sind beides anhaltende tiefe Risse in meinem Leben,die mich daran zweifeln lassen, ob ich jemals wieder ganz sein werde…Sprachlosigkeit und einfach nur da sein, halte ich aber auch nicht für die allerbeste Variante…Irgendetwas sollte ich ihr schon mitteilen…Wenn du mit mir mal darüber reden willst, bin ich für dich da und wenn nicht ist es für mich auch in Ordnung…(?) Ich weiß es nicht….

Jedenfalls wird das ein komisches Weihnachtsfest…

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