Tag V nach Operation Nr III – Blasentraining

Ich hatte ja schon mehrmals gefragt, wann man mir nun endlich dieses schicke Accessoire von Blasen-Dauerkatheter entfernt wird…Das war weder beim laufen, liegen noch anderweitigen Bewegungen besonders bequem…
Außerdem hatte ich mir ja vorgenommen keine geschädigte Blase zu haben und glaubte an meine eigene Voodo-Suggestionskraft…
Geantwortet hat mir jedenfalls nie jemand bis dann an Tag V die Stationsschwester kam und mir einen super Leitfaden in die Hand drückte…Ein Urologie-Blasen-Tagebuch ..“Toll“
Zunächst sollte ich aber den Dauerkatheter abklemmen und dann sagen, ab welchem Zeitpunkt ich denn jetzt was spüre..Bzw. wollte man wissen,ob sich die Blase überhaupt wieder füllt…Na ja, das funktionierte nur leidlich, denn ich bekam sofort darauf echte Schmerzen und öffnete das Teil so im 50ml Rhytmus…Da das so gar nichts brachte, zog man mir es endlich und ganz im Ernst…: Das Leben ohne Blasenkatheter fühlte sich doch wesentlich besser an…
Gar nicht gefiel mir allerdings, dass ich nun ein Tagebuch über Trinkmenge, Harnentleerung und vor allen Dingen Restharnbestimmung führen sollte…Katheterisierung wollte ich aber nun partout nicht…Außerdem hatte ich ein psychologisches Problem mit der Bettpfanne und der Toilette auf meinem Zimmer…

Ich fing also mein Regime an: Trinke 6 Liter am Tag und bewege dich viel…Und vor allem: Suche Toiletten an öffentlichen Plätzen auf, wie in der Kurhalle…Problem war nur, dass ich dazu natürlich das Kliniksgelände verlassen musste, aber das störte mich dann auch nicht weiter…Wozu gab es Parkbänke und mit meiner schicken Narbe am Rücken war ich trotz 22 Klinika leicht zuordbares Patientengut…
Dennoch war dieser Tag vor allem ein Kampf mit Übelkeit, Kreislaufproblemen und Harnverhalt..Meine Blase wollte sich trotz meiner extremen Trinkmenge nicht entleeren…Mein Magen fand rückwärts essen wohl erst einmal angenehmer…Ich übergab mich also in der Kurhalle und dachte nur SUPER…Danach suchte ich mir ne nette Parkbank…Zu diesem Zeitpunkt war es zwar schon kalt, aber die Flamingos waren auch noch draußen und die sind ein guter Indikator für angemehme Temperaturverhältnisse…Ich lag da also so ca. 40min auf der Parkbank und erntete ein paar komische Blicke, denn wer sonnt sich schon bei 15C im Schatten,. Nachdem ich nach 60min endlich so etwas wie Blasendruck verspürte,machte ich mich erneut auf den Weg zur Kurhalle……Übel war mir auch nach wie vor…, was aber auch daran liegen konnte, dass ich gerade 100g Kinderschokolade -so als Ausgleich- verschlungen hatte und schon wieder 1 Liter Pepsi Light…
Mit ein bißchen nach helfen vollzog sich also das Wunder einer Blasenentleerung…Auf deutsch: Ich rammte mir mal wieder die Faust in Richtung Magen…Na also, geht doch…Wozu brauche ich denn so ein doofes Buch??? Das kann von diesem Zeitpunkt an ja nur besser werden…
Mittlerweile war es auch schon 17 Uhr und da ich nicht auch noch von meiner Bettnachbarin als vermisste Person ausgewiesen werden wollte, erklomm ich den Berg Richtung meines geliebten Klinikums…
Enormerweise wurde ich weder gefragt, ob ich das Tagebuch geführt habe, noch wo ich gewesen war…, denn so ab Tag V ist man in so einer Klinik eh überflüssig…Man sieht das Personal ca. 5x à 3min am Tag…Frühstück, Mittagessen, Abendessen,Thromboseprophylaxe, Nachtschwesternrunde….+ irgendwann normalerweise Visite, die aber aufgrund der Krankheit von „DrHabkeineAhnung“ an diesem Tage ausfiel…
Dieser hoch versierte Arzt fehlte mir doch bei meinem zweiten Aufenthalt enorm, zu mindestens vom Unterhaltungsfaktor her….Besonders toll, fand ich bei meinem ersten Aufenthalt immer die Morgenvisite, wie „DrHabkeineAhnung“ das leere 2 Bettzimmer neben mir mit einem euphorischen ‚Guten Morgen‘ begrüßte und auch noch nach 5 Tagen nicht den Dreh raus hatte, dass in diesem Zimmer keine Patienten lagen..Selbst die Stationsschwester (eher ein freundlicher und unsarkastischer Mensch) brachte das zu milden unterdrückten Lachkrämpfen…Da konnte man dem Stationsarzt fast verzeihen, dass er seine Patienten nicht verstehen konnte…
Diesen Gutelaune Faktor versprühte der Oberarzt jedenfalls nicht.., der durch diesen Personalengpass nun 19 Stunden Schichten fuhr und alleine die Station verwaltete, die auf 4 Ärzte ausgerichtet war…Patienten außerhalb des OP-Saals zu sehen war ihm sichtlich zu viel…Meine Bettnachbarin taufte ihn schlicht und ergreifend ‚DenDicken’…Ihr Urteil fiel wenig schmeichelhaft aus. B: „Den sollte man in einen OP-Saal sperren und nicht mehr raus lassen.“

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