…Beginn des Neuen Jahrs…: Mutterkomplexe Teil I


Persönlich komme ich mir gerade wie in einem Jelinek Roman vor und das obwohl ich die Ästhetik des Negativen/Obszönen (oder wie auch immer man diese wüsten Vernichtungsszenen in der Germanistik getauft hat) eigentlich gar nicht leiden kann.Jelineks Bücher hätte ich ja gerne vor meiner Zwischenprüfung auf einem Scheiterhaufen verbrannt (Bitte nicht an Zensur oder gar Bücherverbrennung denken…Aber wer erträgt schon endlose Negativität :Tote und Untote, Sex als reinen Gewaltakt…, Wortfetzen aus Comics, Büchern, der RAF, der griechischen Mythologie. Nach 1 Woche Jelinek lesen, schwebt man in akuter Gefahr sich mal eben von ner großen Brücke oder einem Hochhaus zu stürzen..)

Arnold Schwarzenegger als Arnie im Sportsstück und das (verfrühte) Lebewohl an Jörg Haider (Gott habe ihn selig) fand ich ja schon noch irgendwie interpretierbar…Aber 1000 Seiten „Die Kinder der Toten“ waren vortrefflich grausam…Dieses Buch habe ich mehrfach gegen die Wand meines Zimmers geworfen. Wie kann ein Mensch so etwas schreiben…??? Ich kann das ja nicht einmal denken…Man muss doch seine Welt ein bißchen lieben und durch eine rosa-rote Brille sehen…Ausblendung gehört nun Mal zum Leben mit dazu. Selbst wenn ich 1000 Seiten Seelen quäle habe ich damit auch nichts vollbracht, außer eben mich und meine Leser zu zeigen,dass ohne unsere Schutzmechanismen die Welt sehr grausam ist…Damit habe ich nix gegen die Armut in „Entwicklungsländern“ , gegen die patriarchiale oder Kapitalistische Weltordnung, Ausländerfeindlichkeit oder sonstigen Kram getan…Ich bin ja mehr dafür die Welt zu lieben, obwohl ich alles doch irgendwie furchtbar finde…Außerdem : Die Welt hat mehr Facetten…Alles ist nicht grau-schwarz, sondern so detailiert, dass es schon fast unerträglich bunt ist…

Aber ich muss wohl zugeben, dass ich etwas mit Jelinek teile:Psychische Labilität und Krankheit + wir haben wohl den selben Typ Mutter…und eine ähnlich anhaltend schizophrene Beziehung zu selbiger…,wobei ich noch weit entfernt von einem symbolischen Muttermord bin…Ich weiß auch nicht, ob man sich so wirklich befreien kann…Irgendwie muss das anders funktionieren…Wie…habe ich aber auch noch nicht raus…Jelinek hat sich jedenfalls niemals befreit…Sie ist immer noch gefangen…Ansonsten würde man nicht solche Bücher schreiben

Nur wie mache ich das jetzt:

Denn obwohl ich ja eigentlich erwachsen bin, begann mein „Neues Jahr“ mit einem Brief von meiner Mutter…

In diesem teilte sie mir mit,

    dass ich meinen Wohnsitz ändern soll (Ich habe meinen ersten Wohnsitz immer noch bei ihr,aber wohne eigentlich schon seit 10 Jahren alleine)
    gefälligst meine Sachen aus IHREM Haus räumen
    und sie mich finanziell gar nicht mehr unterstützt.Aber ich hätte ja noch etwas Erspartes von IHR…und könnte so noch ne zeit lang leben…
    Viel Glück jedenfalls…

Den ganzen 7 Zeiler auf grünem Papier mit Durchstreichungen unterschrieb sie mit DEINE Mutter…
Bei dem letzten Satz muss sie wohl vergessen haben, dass sie mir die Mutterschaft eigentlich gekündigt hat…und das, weil ich nach meiner OP lieber zu meiner Oma als zu ihr gegangen bin…(Da hätten wir die krankhafte Eifersucht…Eigentlich ist es ja eine rein rationale Entscheidung meinerseits gewesen: Es erschien mir irgendwie sinniger zu meinen Großeltern im Rentenalter zu gehen,da diese Zeit haben und zu hause sind. )

Jedenfalls ereignete sich nach meiner Kliniksentlassung eine dieser typischen dysfunktionalen Familienszenen, wie ich sie schon seit Kindheit fürchte…

Meine Mutter hatte darauf beharrt mich in der Klinik abzuholen… Wie immer kam sie ca. mit 2 stündiger Verspätung..Ich war ja schon SEHR begeistert…Im Schlepptau hatte sie meine Schwester und ihren Freund…Der Freund meiner Schwester sollte dort abgeholt werden und nun hieß es abermals warten bis dieser erschien…
Meine Schwester und ihr Freund haben sich in einer sozialtherapeutischen Wohngruppe kennen gelernt und trennen sich ca. 1x die Woche…Er ist mittlerweile aufgrund seines Alters rausgeflogen und zu seinem Vater gezogen, der sich bis zu diesem Zeitpunkt kaum um ihn gekümmert hatte. Ironischerweise ist der Vater Rettungssanitäter und angehender Globuli Vertreter…Bei unserem kurzen Gespräch hat er mir Schüssler Salze gegen mein Wirbelsäulen Problem empfohlen…Ich weiß jetzt nicht mehr genau welches…Sein Sohn ist eher begeistert von Grafikkarten, PC’s und Krach Bumm Spielen..Tolle Konstellation also)

Ich ertrug jedenfalls das spannende Geplänker in der Kliniks Cafeteria, war aber dann doch froh endlich nach hause gefahren zu werden…Schließlich geht es einem auch 10 Tage nach so nem Eingriff NICHT gut und man möchte auch keine 4 Stunden irgendwo stehen und anhaltend Konversation führen…Bis auf eine Verstimmung fiel mir an meiner Mutter wenig auf, denn verstimmt ist sie fast immer…Die Welt sieht sie wie einen Jelinek Roman..Alle Menschen sind böse und alle nur motiviert durch Egoismus und Sexual-Trieb…(So interpretiert meine Mutter jedenfalls Freud) Bis zu der ‚Auslieferung‘ meiner Schwester an ihre betreute Wohngruppe verhielt sie sich noch einigermaßen normal…Dann kam das Vernichtungsinferno..
Ich redete über irgendwas lapidares wie „endlich“ aus der Klinik und das Sie froh sein könne,sowas noch nicht erlebt zu haben…Das erlebte sie schon als Angriff….

M: „Wie egoistisch kann ein Mensch eigentlich sein. Weißt du eigentlich wie schlecht es mir manchmal geht…(Okay,sie war in einer psychosomatischen Klinik und hatte eine Myokarditis…Da schrieb ich aber gerade unter Opiaten an meiner Diplomarbeit und war selbst mehr als krank) Was es für mich bedeutet, wenn du jetzt zu deiner Oma gehst…Ich könnte in XY verrecken und keiner meiner Kinder würde es interessieren. Weißt du eigentlich wie weh du mir tust..“
I: „Ich gehe doch nur ein paar Tage zur Oma…“
M: „Wenn du das nicht kapierst, wie tief du mich verletzt damit…, dann hast du irgendwas grundsätzlich in deinem Leben nicht verstanden…Alle meine Kinder wollen nur haben, haben, haben..Geben können Sie nicht…Oma Z (die Mutter meines Vaters) hat ihre Kinder ständig verprügelt und dennoch haben sie sich um sie gekümmert.
I: „Jetzt sei doch nicht so theatralisch..“ (Ich hätte auch zurück schießen können und sagen: Meine Schwester hast du sehr wohl auch verprügelt und ich bin ständig eingeschritten…Nur weil du mich nicht verprügelt hast, macht dich das nicht zum Unschuldslamm..Aber irgendwie habe ich immer im Kopf: Deine Mutter ist eigentlich kein so böser Mensch…Sie tut das nur weil sie krank und hilflos ist…Egal wie weh es tut…Sag nichts dazu…Denk dir deinen Teil…)
M: „…Du bist wirklich ein Mensch ohne Herz..Wenn ich sterbe, dann wird es dir noch Leid tun…Das hat man ja schon gesehen als dein Vater gestorben ist..Dir wird es noch Leid tun…“ (Und das war der Satz der traf..Ich fühle mich tatsächlich IMMER noch schuldig…., dass ich zu wenig getan habe, bevor er starb…Ihn evtl. retten hätte können. Das ist so tief in mir, dass ich es kaum in Worte fassen kann…Aber auch hier hätte ich erwidern können und meine Selbstkontrolle verlieren: Schließlich wenn man schon in Schuldkomplexen denkt, hatte meine Mutter genauso ihren Anteil: Sie hatte mit ihm nicht mehr geredet. Ihn nur noch beschimpft. Wenn er in irgendein Zimmer kam, schlug sie die Tür zu. Mein Vater war sich nicht sicher, ob meine Mutter ihn vor die Tür setzen würde…Aber ALL das sage ich nicht, denn ich will IHR nicht weh tun…Aber sie darf auf mich schießen…??? Das ist einfach unfaire Gewaltenverteilung…Denn ich habe ein Gewissen…Ich habe Respekt vor dem großen Unsagbaren…Sie in ihren Hass-Attacken nicht und da sie momentan nur hasst…Wie kann man damit umgehen???)

Danach war ein eisiges Schweigen im Auto…Ich sah es definitiv diesmal nicht ein,wieder auf sie einzugehen…oder das Ganze mit psychischer Störung zu rechtfertigen…Schließlich habe ich Sie noch NIE in meinem Leben versucht fertig zu machen und immer ihre Verhaltensweise gerechtfertigt…Ich nahm mir den Vorsatz: Ich entschuldige mich nicht…Ich hätte gerne geheult, aber ich wusste aus Erfahrung, dass sie dann noch mehr schießt…Nach dem Motto: „Jetzt bemitleidest du dich also…Denkst wohl du seist ganz besonders arm. Du bist wie eine Mimose…, erträgst wohl gar nichts.“ Hingegen wenn ich gar nicht reagierte war ich gleich ein Soziopath: „Du bist völlig krank. Du hast überhaupt gar keinen Zugang zu deiner Gefühlswelt. Dich sollte man zwangsweise in Therapie stecken. So gefühlskalt wie du bist.“

Das man dabei WIRKLICH krank wird, ist irgendwie verständlich, wobei ich eigentlich nur in bestimmten Situationen eben in diese Form von totaler Unansprechbarkeit gerate bzw.mich mal für 3 Wochen von der Menschheit komplett zurück ziehe, wenn mir mal wieder quasi alles zu viel wird…
Und ja, ich bin überempfindlich, übersensibel…Aber gerade das ‚Übersensible‘ macht mich doch fähig eben die Hilflosigkeit zu sehen und das Nicht-Können, die Wut anderer Menschen eben nicht als „das Böse“ sondern „das Verstrickte“, „Verzweifelte“ „Sozialisationsbedingte“ zu begreifen. Aber wo stehe ich eigentlich mit mir in diesem Bild??? Das schwierige ist ein Verhältnis dazu zu haben und nicht von oben herab auf eine Szene zu schauen und zu sagen: So ist es…

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