…Dejá Vu: Mal wieder in einer Ausschlussdiagnostik…psychogene Lähmung Nr III

Nun ja, als neurochirurgischer Sonderfall kam ich dann doch tatsächlich in den Genuß eines ellenlangen Gesprächs mit dem Chefarzt…(Ob man das braucht ist die Frage)
Für einen Neurochirurgen ist er ja ein 100% freundlicher Mensch, wobei ich bei ihm schon im Muster schwieriger, psychopathologischer Patient gesteckt wurde, dieser Kategorie wieder zu entfliehen ist beinahe unmöglich…Der Chefarzt schwankte in dem Gespräch zwischen extremer Offenheit, Patiententests und echt völlig bescheuerten Klischees…

Begrüßung: „Das sieht ja nicht gut aus. Setzen Sie sich erst einmal, wenn Sie können…“ (Wie gesagt mein Gangbild ist komisch…Ich habe null Ahnung WARUM ich so laufe wie ich laufe…)
Ich schwankte so auf den Stuhl, saß dann da und wünschte mich auf einen anderen Planeten… Ich HASSE es nun einmal krank zu sein und über „Symptome“ zu reden erst Recht…Während andere Patienten darin aufgehen, verläuft das bei mir schleppend…Wobei ich ständig darüber nachdenke WIE ich Dinge NICHT formulieren sollte und was ich unbedingt nicht sagen sollte und das trägt dann zu einem sehr zögernden Redeverlauf bei…(Sag nicht, dass ist mein S1 Dermatom oder ich vermute folgendes)“ (Normalerweise bin ich ne Quasselstrippe, aber nicht vor Ärzten bzw. Neurochirurgen)
Neurochirurgen sind nun mal Geschwindigkeit gewöhnt und das führte zu der Frage Nr. 1. ,ob ich unter so starken Medikamenten stehe, dass ich nicht mehr in einer normalen Geschwindigkeit sprechen kann oder ob ich evtl. einfach eine Hemmung habe mit ihm zu reden…“
Ich: „Ich spreche einfach nicht gerne über Krankheiten.“
C: „Aber wir kennen uns jetzt doch schon solange.“ In meinem pathologischen Hirn fragte ich mich, ob er das nun wirklich ernst meint, denn ich habe ihn nur 2 kurze Momente…1x direkt nach der Op und einmal 3 min bei der Visite gesehen…Vielleicht kennt er mich durch Stories des Personals, des Oberarztes und Stationsarztes…, aber wir kennen uns definitiv noch nicht…Den Einzigen , den ich mehr oder minder kennen gelernt habe, ist denn echt launisch-überarbeiteten Oberarzt.
Wobei — wenn man einen Patienten in der Neurochirurgie im Abstand von 2 Monatsabständen zu sehen bekommt, mit so vielen ‚tollen‘ unterschiedlichen Operationsgründen ist das ja evtl. ‚kennen‘
Na ja, er ließ mich daraufhin mal ein paar Schritte hin und her laufen und guckte mich ziemlich skeptisch an…(Wie jeder der mich laufen sieht…)
C:“Ich sage Ihnen das ganz offen, dass sieht aus wie eine psychogene Lähmung“
Ich wusste ja nicht genau was ich dazu sagen sollte, denn ohne elektrophysiologische Zusatzuntersuchungen/Bildgebung haben bei mir alle schon immer gesagt: Sie simulieren…Von daher dachte ich: Okay…Er drückte mir noch gegen die LWS fand diese (wie alle Ärzte) nicht verspannt… (Das war selbst vor der letzten OP so…Der Oberarzt hat ja nur ein MRT gemacht, weil mein Hausarzt ihn mit der ‚Cauda Symptomatik‘ fast dazu zwang…)
Da Neurochirurgen trotz psychologischer Komorbidität aber lieber eine rationale Ursache suchen, fand er doch noch etwas pathologisches..
Er testete meine Reflexe und befand diese in den Beinen als gesteigert….(Also er hat nur den PSR getestet)

Ich persönlich traue Neurochirurgen in dieser Hinsicht irgendwie wenig zu und denke nicht, dass ich ne Spastik habe, denn meine ASR sind kaum auslösbar, aber die hat er wiederum nicht getestet. Ich habe ihn trotzdem nach dieser Bemerkung gefragt, ob er denn meint, dass ich meine Reflexe beeinflußen könnte und er erwiderte: „Natürlich nicht…Da ist schon irgendwie etwas spastisches mit dabei.“
Aha, sehr interessant…Ich konnte schon die Linie erkennen auf die es heraus läuft: Neurologie…Gehirn…Evtl. interessanter Fall…
Neurochrirurg: „Das sollte man doch mal neurologisch abklären…Wir arbeiten ja mit xy zusammen“
Ich: „Glauben Sie mir…Ich hab nix…Es ist bei mir immer DOCH die LWS…Machen Sie doch mal ein MRT“ (Sowohl ein nettes komfortables MRT als auch eine Neurologie ist IN dieser Klinik vorhanden, aber na ja, schätzungsweise Kostengründen und/oder einer echten Besorgnis heruas, dass ich doch noch etwas anderes haben könnte, z.B. nen Schaden am Kleinhirn, ließ ihn von seiner grandiosen Idee nicht abkommen, mich mal in eine neurologische Fachklinik zu überweisen….
Neurochirurg: „Sie könnten ja auch irgendetwas entzündliches haben.“
Ich: „Ohne Fieber und mit niedrigem CRP Wert….???“
Neurochirurg: „Vielleicht haben sie eine gute eigene Abwehr??“
Ich: „Könnte man nicht einfach mal ein Kontrolll MRT der LWS machen?“
Neurochirurg: „Das können DIE dort machen ..Wissen Sie : Die (Neurologen) diagnostizieren und wir therapieren. Wenn Sie etwas haben, dann schicken die sie wieder zu uns…(Was ein Umweg)
Ich: „???? Vielleicht habe ich ja doch eine psychogene Lähmung…Ist doch dann komplett egal, ob sie mich in eine Neurologie schicken oder nicht(Mann, ich will doch nur ein Kontroll-MRT der LWS…)
Neurochirurg: „Das kann man erst nach Diagnostik wissen. Eine psychogene Lähmung werden Die ihnen schon AUSTREIBEN. Interessiert Sie die Gangstörung denn nicht?“
Ich: „Mir ist es mittlerweile beinahe egal..Nur hätte ich gerne weniger Schmerzen.“ (Neurochirurg sieht auf meine Handgelenk und erkennt Narben…)
Neurochirurg: „Haben sie eine Katze??“
Ich: „Nun, sie wissen doch genau worauf sie da sehen. (Echt…Keiner kann mir weiß machen, dass ÄRZTE es nicht checken, wenn jemand sich „geritzt hat“) Da war ich 15 ist ein halbes Jahrhundert her…“(UND JA, ich bereue es , denn es ist nervend und stigmatisierend.)
Neurchirurg: „Wie haben Sie das denn weg bekommen..Waren sie in stationärer oder ambulanter Therapie…??“
Ich „Ambulant.“ (Ich habe nur 4 Wochen in meinem Leben geritzt…LOL…)
Neurochirurg: „Das ist ja schon eine Leistung. Viele bekommen das nicht weg…Hat man Ihnen mal eine Borderline Störung attestiert?“
Ich: „Ich hab damals keine Diagnose bekommen.“
Neurochirurg: „Das können Sie mir doch nicht erzählen…“
Ich: „Nee, wirklich nicht.“ (Lieber Guter HERR, hätte ich eine Borderline Störung, dann hätte ich wohl in diesem Moment eine Brattpfanne nach ihnen geworfen…Da ich eher der Typ schizoide Persönlichkeitsstörung bin, nahm ich die ganze Sache in meiner eigenen gewohnten Exzentrik und dachte nur: Mann wie ist der inkompetent. Psychologen stellen die Diagnose gerade bei Jugendlichen nur mit äußerster Vorsicht.)
Neurochirurg: „Haben Sie mal Medikamente genommen?“
Ich: „Nein..“ (Außer in der Zeit, wo ich geritzt habe, da habe ich Melleril mit Alkohol kombiniert und ja in der Zeit war ich def. nicht ICH SELBST..)
Nurochirurg: „Wissen Sie meine Frau ist Neurologin, da bekommt man schon so einiges mit wofür andere nicht so senibel für sind. Insgesamt habe ich natürlich was die Psyche angeht, keine Ahnung“
(Herzlichen Glückwunsch…Die Ehe zwischen denen will ich mir ja nicht vorstellen müssen…Diagnostiker vs. Macher…)
Neurochirurg: „Soll ich für Sie denn Termin in der Neurologie ausmachen oder wollen Sie ihn selbst telefonisch vereinbaren?“
Ich gucke ihn ziemlich ENTNERVT an…
Neurochirurg: Wissen Sie: Ich will doch nur, das es IHNEN gut geht….Außerdem ist daus auch WISSENSCHAFTLICH interessant. (aha…Relativiert der zweite Halbsatz nicht schon wieder den ersten. Sozialkompetenz und Neurochirurg sind irgendwie ein Widerspruch in sich….)
Ich: „Sie können den gerne für mich ausmachen?“
Neurochirurg ruft dort an und redet mit dem Chefarzt der anderen Klinik: Sie unterhalten sich offenbar über einen anderen Fall und über Verdachtsdiagnosen…: Und am Ende war es doch ein einfacher Bandscheibenvorfall..(Lachen)…Guckt zu mir: „Können Sie morgen früh?“
Ich (entsetzt): „Okay“
Neurochirurg: „Wissen Sie wieviel Zeit ich mir gerade für sie genommen habe.Normalerweise kommen und gehen hier Leute im 5 Minuten Takt….“
(Die Uhr ablesen kann ich noch..Es waren genaue , erstaunliche 45min vergangen..Zugegeben ich habe noch nie mit einem Neurochirurgen länger als 3-5min geredet…Wobei man sich das nach dem Ergebnis auch hätte sparen können)

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