Schmerztherapie Teil III: Palexia oder nur ein Vermarktungstrick der Pharmaindustrie…?

Nachdem ich jetzt endlich wieder Internet habe (und nicht nur kurz über Internet Cafes surfe),auch hier mal wieder ein update…

Bei mir schwankt alles so fröhlich hin und her zwischen für mich noch erträglichen und gänzlich unerträglichen Schmerzen…

Mein „Schmerzarzt“ (Anästhesist), den ich inzwischen ganze 3x gesehen habe, -also alle 6-8 Wochen 1x, hat mich immerhin auch schon 3x komplett medikamentös umgestellt…(Medikamententester ist eigentlich auch mein geheimer Traumberuf. Ich wusste es vorher nur noch nicht…)

Zu mindestens durfte ich feststellen: Ich bin vermutlich nicht nur der Alptraum eines jeden Neuro-Arztes…Anästhesisten lieben mich mindestens genauso…Ist ja auch nicht gerade einfach als chronifizierter Schmerzpatient mit Kopf- und Rückenschmerzen + einer Neigung auch noch auf jedes Medikament anders zu reagieren als zu mindestens 90 % der Menschheit…Das kann einen Arzt schon ein bißchen in den Wahnsinn treiben…

Einziges Medikament mit dem ich bislang ganz nette Erfahrungen gemacht habe, ist nach wie vor Gabapentin…(Hilft allerdings bei mir nur gegen das „Scheiterhaufen-Feeling“…Also das Gefühl ein Phoenix zu sein und zu verbrennen. Und das auch stark nachlassend. Gegen die Kopfschmerzen oder die Schmerzen, die daher rühren, dass ich fast keine Bandscheiben in zwei ‚Fächern‘ habe und den daraus resultierenden Schwierigkeiten, -eher weniger..(Aber wozu gibt es so nette Sache wie Opiode und Morphium?) Gleichzeitig sollte man dann natürlich noch irgendein tolles ‚Muskel-Relax‘ nehmen und oben drauf noch ein Antidepressivum…
Letzteres soll herrvoragend gegen Kopfschmerzen wirken…Ich bekomme ja leider dadurch nur noch mehr Kopfschmerzen…Auf Amineurin und Trimipramin (Antidepressiva) werde ich auch irgendwie eher asozial…Ich glaube mir würde es nichts ausmachen, wenn jemand neben mir exekutiert würde…(Wenn man unter dem Einfluss der bösen Machts des Medikaments ist, merkt man aber nicht wie genial daneben man sich in gewissen sozialen Situationen verhält. Man sollte also immer die nette Family informieren in welchem Experiment man sich befindet…Diese kann dann auch gut intervenieren…)
Manche mögen unter einem solchen Drogenmix auch vielleicht noch leben und sogar denken können, aber ich bekomme leider fast nur die Nebenwirkung und wenig Wirkung dieser total innovativen Medikamente ab…

Einziges Muskelrelax , dass bei mir wirkt ist nämlich Tetrazepam…Junkies und ältere Neurologen (mit Zusatzbezeichnung Psychiater) finden es toll. Anästhesisten eher weniger…(Macht ziemlich abhängig…Schon so nach 8-9 Tage nehmen und verliert auch nach wenigen Wochen die Wirkung )

Die Muskelrelax Alternativen: Ortoton und Katadolon haben bei mir aber leider keinen besseren Effekt als zu versuchen den allmächtigen Herr Gott anzubeten etwas gegen meinen ehöhten Muskeltonus zu unternehmen…Der scheint mich aber leider gar nicht zu erhören…Wirklich schade…Ich hab ihm schon vorgeschlagen, wenn er mir eine Wunderheilung schickt, katholisch zu werden oder mich irgendeiner Globuli-Sekte anzuschließen…Vielleicht täte es aber auch buddhistische Nonne??? Also irgendwie sowas eben…Aber nein…Ich habe immer noch Schmerzen…In Armen, Händen, Füssen, Beinen, Kopf und Rücken…(Vielleicht sollte ich um einen neuen Körper bitten oder einen Klon als Reservelager?)

Nun, wie auch immer: Der neueste Versuch ist die Umstellung auf das von der Pharma-Industrie gehypte ‚Palexia’…Ist eigentlich pharmakologisch wenig anderes als das schon bekannte (Opioid) Tramadol… Quasi ein Cousin, aber da die Firma Grünenthal noch das Patent auf Palexia hält und Tramadol schon beliebig nachgeahmt werden darf, ist es viel lukrativer eben Palexia zu verkaufen…

Dabei ist der Trick auch noch Studien so anzulegen, dass man GENAU das heraus bekommt, was man heraus bekommen will…: Das hauseigene Medikament muss besser abschneiden. Wie erreicht man das? Man nehme zwei Präparate: Oxycodon (um ein vielfach stärker wirkend) und Palexia…Dann baut man in den Versuchaufbau einen Trick ein…Oxycodon muss in einer bestimmten Stärke genommen werden und nicht darunter…(Das heißt manche Leute sind überdosiert, weil ihre Schmerzen nicht so stark sind. D.h. sie werden wie Zombies herum gelaufen sein oder sich wie Junkies gefühlt haben.) Gleichzeitig wird bei Oxycodon darauf verzichtet Mittelchen gegen Verstopfungen zu geben (wie es in den Leitlinien so üblich ist) Unter diesen Bedingungen schickt man das Medikament ins rennen gegen Palexia, was weniger Verstopfungen macht und besser hoch und runter dosiert werden kann…Sieht einer den Fehler????? Ist ja von vorneherein klar, welches Medikament von den Patienten als verträglicher und besser angesehen wird…Und das mehr Leute die Oxycodon-therapie abbrechen. Natürlich wird Palexia NICHT mit dem hauseigenen Tramadol verglichen…

Palexia hat außerdem keine Zulassung bei Tumorschmerzen bekommen…Wurde eben nicht getestet…Gleichzeitig soll es aber auch gut gegen Nervenschmerzen helfen…(Allerdings nur bei diabetischer Polyneuropathie)…Oxycodon ist hier übrigens eingeschränkt ebenso zu empfehlen…, wird nur nicht mehr so ein Hype draus gemacht…Liegt ja auch kein Patent mehr drauf…und kein Pharmaunternehmen schreit mehr danach….

Ich traue Grünenthal ja durchaus zu, dass sie nach dem Contergan Skandal hinzu gelernt haben…und Palexia ein sicheres Medikament ist, aber es als neu, innovativ zu vermarkten…, ist alles andere als okay…

(Das machen natürlich auch andere Pharma-Firmen wie Pfizer: z.B. wurde Gabapentin zunächst auch angepriesen für die bipolare Störung (manisch-depressive Erkrankung), obwohl es dazu keine Studie gab… Dafür wurden Pfizer dann auch mal netterweise verklagt…Im Land der unbegrenzten Klagemöglichkeiten.90% aller Verordnungen von Gabapentin sind in Amerika außerhalb der empfohlenen medizinischen Indikationen. Und auch in Deutschland hat man das Gefühl es ist ein Modemedikament…Gabapentin wird von Muskelschmerz (z.B. Fibromyalgie) und auch bei Bandscheibengeschichten, wo nicht unbedingt der neuropathische Schmerz im Vordergrund steht verordnet…)

Aber zurück zum Thema: Ich hatte auf palexia jedenfalls fünf Tage lang die übelsten Kopfschmerzen meines Lebens und musste mich täglich mehrfach übergeben…(Das Liquorleck fand ich nicht schlimmer!) Alles hat sich gedreht, auch wenn ich mich hin gelegt habe und meine strangen allabendlichen Muskelzuckungen haben sich in minutenlange Krämpfe gesteigert…TOLL! Ich gebe dem Medikament das Prädikat: Besondere Folter des Patienten…Aber danach hatte ich mindestens zwei Tage das Gefühl eines paradiesischen Zustands, weil ich es endlich wieder abgesetzt hatte und mein Schmerz wieder wellenförmiger verlief…

Also ich bleibe bei Gapapentin + Tillidin (Valoron) nachts und tagsüber eben nur Gabapentin und wenn ich vier Tage am Stück nicht schlafen kann, werfe ich eine Tetrazepam ein…

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4 Kommentare zu “Schmerztherapie Teil III: Palexia oder nur ein Vermarktungstrick der Pharmaindustrie…?

  1. hi, habe seit ungefähr 8 jahren rls !! sämliche medis die für rls zugelassen sind , sind auf deutsch gesagt fürn Ar…. !! ausser, und jetzt kommts, sifrol !! sifrol ist eigentlich ein medi für parkinson, aber aber aber, es hilft wirklich bei rls, und ich habe wirklich alles ausprobiert !! tramadol, tilidin, valoron, auch palexia, alles das gleiche, opioide ,die stark abhängig machen, und wer erstmal von tramadol einen entzug gemacht hat (zirka 1000 tropfen am tag), weiss wovon ich rede… !! es ist die hölle auf erden….. ! finger weg von opioiden !

  2. Du beschreibst Deine „Schmerzwelt“ sehr anschaulich und für mich als Allgemeinmed. der täglich mit ähnlichen Leidensgenossen zu tun hat war ein paar Hilfreiche Infos dabei- da Du eine andere Perspektive hast. Oft Schlucke ich ja Medis testweise selber um zu wissen was ich meinen pat. so antue aber bei den Schmerzmittel war ich stets zurückhaltend. Von Palexia hatte ich auch großes erhoft, bisher aber erst 3x verordnet . Meine 80jährigen sind aber nicht so blumig in der Ausdrucksweise um ihre NW zu beschreiben und halten vermutlich lieber den Mund. dennoch Danke habe eine neue idee für eine Patientin erhalten.

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