Sich im Kreise drehen…Psychotherapie Teil III

Psychodoc: „Wenn ich Sie so laufen sehe, dann denke ich, dass sie massive Schmerzen haben müssen …Aber wenn Sie dann vor mir sitzen und reden, könnte man den Eindruck bekommen, dass sie gar nichts haben?“
(Na ja, je schlimmer ich laufe desto weniger schmerzen habe ich, aber nicht einmal in der Psychotherapie bin ich in der Lage adäquat meinen Schmerzzustand zu erklären.)
Ich: „Hmmh, ich habe schon starke Schmerzen. Ich finde es nicht gerade angenehm zu sitzen und die Aussicht eines 8 Stunden Tages erfüllt mich dann doch mit Grauen.“
Psychodoc: „Das Problem ist, dass ihre Mimik und Gestik nicht mit ihrem beschriebenen Zustand übereinstimmen. Wenn Sie mich dabei noch freundlich anlächeln, ist es kein Wunder, dass Sie Ärzte nicht Ernst nehmen.“
Ich: „Ja, nun…Wie soll ich mich denn verhalten. Ich versuche -logischerweise- mich jetzt auf ein Gespräch zu konzentrieren und die Schmerzen auszublenden.“

Was soll eigentlich Psychotherapie??? Wie kann jemand, der keine Ahnung hat wie es ist 24 Stunden Schmerzen zu haben, mir eigentlich Tipps geben..Andererseits kann mir wohl auch kein anderer, der selbst schmerzkrank ist, sagen wie man besser mit der ganzen Misere umgehen kann…

Manchmal frage ich mich was mich an diesem Leben hält. Es erscheint mir oft belanglos. Ich bin eben hier..Weiß aber nicht wieso und warum und dümpel so vor mich hin: Planlos, ziellos…

Klar, man kann sich seine Ziele definieren, sich einen Sinn im Leben schaffen, aber momentan bin ich eigentlich vorwiegend krank…

Alles ist eine Tortur. Alles tut weh. Ob ich sitze, liege, laufe, schreibe…
Egal was ich einwerfe an magischen Pillen: Die Schmerzen sind immer noch da…

Ich vergesse Sie nur, wenn ich mich für kurze Momente so überlaste, dass ich nur noch das Gefühl habe Geist zu sein und meinen Körper ausblende. Das gelingt nicht häufig. Denn ein Mensch hat nun mal einen Körper. Dieses lästige etwas, dass ihn an diese Welt bindet.

Manche Sachen die man mit diesem Objekt machen kann oder die ich früher machen konnte, sind eigentlich auch recht schön…Die Vereinigung zweier Körper zum Beispiel.

Aber was macht man mit einem Körper, der nichts mehr kann, der vorwiegend nur noch weh tut??? Ihn ignorieren, ihn mißachten, ihn quälen und ausbeuten…???

Manchmal denke ich, der Freitod wäre mutiger…Aber das Nichts ist mir doch zu gewagt…Wenn ich Vertrauen hätte, dass das was kommt gut wäre und mich einen Schritt voran bringt, dann würde ich glaube ich lieber springen als Leben, aber ich bin zu feige…

Hat Jean Amery mit diesem Zitat recht?

Ich sterbe, also bin ich. Oder: Ich sterbe, also: das Leben
und alles, was es an Urteilen gibt, gilt nicht. Oder
noch: Ich sterbe, also war ich wenigstens im Moment
vor dem Absprung närrischerweise, was ich nicht sein
konnte, weil es die Wirklichkeit mir nicht vergönnte:

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