Krankenhaus ÜBERLEBT(!) Teil (V)

Ehrlich, gesagt…OHNE Medikamente ging es mir dann doch ultimativ mies…Auch die Kopfschmerzen waren noch ne Ecke schlimmer und ich fühlte mich als hätte mir jemand frontal gegen den Schädel gehauen…Noch dazu war ich seit ca. 72 Stunden fast ohne Schlaf und lag daher etwas lethargisch auf dem Krankenhausbett herum. Die meiste Zeit mit den Händen über meinem Gesicht, da ich Lichtquellen in dem Zustand noch übler fand.
Auch meine Liegeposition fand das Pflegepersonal etwas merwürdig, da ich meistens ohne Kopfkissen quasi in stabiler Seitenlage verweilte…Allerdings mit angezogenen Knien…

Ein Pfleger jedenfalls fand das so kurios, dass er mich fragte, ob ich ‚punktiert‘ worden sei…
Ich: „Nee, ich liege immer so…“
Er: „Sieht aber ungemütlich aus.“
Ich: „Ist es auch…Aber besser als jede andere Position.“ (Mehr habe ich an dem Tag -glaube ich nicht mit Krankenschwestern oder Pflegern geredet. Ich konnte ja auch alles allein…Im Allgemeinen fragte ich mich sowieso WARUM ich nun in einem Krankenhaus bin, denn Untersuchungen fanden keine statt und mir konnte auch keiner sagen, OB ÜBERHAUPT etwas geplant war vor dem Wochenende)
Ich ergab mich also meinem Schicksal und ezählte meiner Bettnachbarin Teile meiner Lebensgeschichte und sie weihte mich umgekehrt auch in ihre ein…So hatte ich wenigstens etwas zu tun…: Seelenerkundung…
Lustigerweise war meine Bettnachbarin selbst Krankenschwester und hatte in diesem Konzern mal gearbeitet, sodass hin und wieder Ex-Arbeitskollegen vorbeikamen und ziemlich frei erzählten was momentan so alles in dieser Klinik schief läuft…
So z.B. „In der Notaufnahme haben Sie alle Idioten zusammen gezogen, da läuft nix. Wenn ich selbst jemals akut krank sein sollte und noch dazu in der Lage bin eine Auswahl zu treffen, dann lasse ich mich lieber nach Z bringen“

Oder:

„Ja, mit den Untersuchungen klappt das hier gar nicht mehr. Seit der Zentralisierung müssen wir uns alles mit den anderen Stationen teilen und da wir hier viele Nicht-Akutfälle haben, wird alles immer weiter nach hinten geschoben…“(Die Internisten geben z.B. den Neurologen nur 3 Langzeit EKG’s etc.) „Wenn Du mich fragst, war es ein Fehler funktionierende Teams auseinander zu reißen und nun alles zusammen zu werfen. Wir schleusen Patienten hier oft nur durch.“

Den ganzen Tag verbrachte ich mehr oder minder mit dem Kampf gegen Schmerzen, liegend auf meinem Bett…Nachts ging es mir nicht besser, aber wie ein Hamster, eine Nachteule, Luchs oder irgendein anderes Tier was erst bei Mondlicht aktiv wird, rannte ich mal wieder durch ein (fast) menschenleeres Gebäude…
Das einzig Spektakuläre war, dass ich fast in einen Internisten gerannt wäre, der sich gerade leckeren Automatenkaffee einflößte und mich fragte welcher Station ich abhanden gekommen sei…
Ich: „Neurologie…“
Er: „Ach, MS?“
Ich: „Nee, 3x Bandscheiben operiert…“
Er (kratzte sich am Kopf): „Sie finden zurück auf Station?“
Ich: „Wenn ich zurück finden will, dann schon…“
Er: „Patienten sollten eigentlich…“
Ich: „Ja, aber ich mag nächtliche Spaziergänge durch leere Klinika…Das hat sowas Atmosphärisches“ (Ich hatte fast das Gefühl, dass er meinen Humor verstand…Jedenfalls grinste er leicht und verabschiedete sich mit einem Gute-Nacht-Wunsch)

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Ein Kommentar zu “Krankenhaus ÜBERLEBT(!) Teil (V)

  1. Sag‘ mal, sollte der viertägige Aufenthalt vielleicht dafür sorgen, dass du quasi weg von der Straße bist?! Bis hierher erschließt sich mir der Sinn nämlich nicht ganz – NICHTS lässt sich auch während eines kürzeren Aufenthalts mit Vollpension gut bewerkstelligen…
    Nur so ein Gedanke, die kranken Kassen müssen doch sparen 😉

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