Krankenhaus ÜBERLEBT(!) Teil (VI)

Wir schreiben also nun Tag 3 meines sehr ’sinnbehafteten‘ Krankenhausaufenthaltes. Wieder ist es früh morgens. Wieder hatte ich kaum geschlafen. Wieder gab es seltsames Frühstück und wieder kam die Stationsärztin zur Visite…

Diesmal unterhielt sie sich aber erst länger mit meiner Bettnachbarin, die -im Gegensatz zu mir- versuchte jede Untersuchung von HNO bis zum MRT durchzusetzen, obwohl ihr die Stationsärztin auch die ganze Psychosomatik-Schiene versuchte schmackhaft zu machen.

Das verhieß nichts Positives für mich…Ich hatte mich während dieser unterhaltsamen Konversation auf die andere Seite gedreht und versucht nicht zu lachen als die Stationsärztin Arbeitsbelastung als Auslöser für den akuten Schwindel vorschlug…

Aber auch ich musste mich dieser Visite ergeben…

Stationsärztin: „Wie geht es Ihnen heute morgen?“
Ich: „Immer noch gleich ätzend.“
S: „Das sagen sie jetzt seit 3 Tagen.“
Ich: „Bislang hat mich noch keine Wunderheilung ereilt.“
S: „Wissen Sie….So wie Sie sich verhalten…Sie würden prima auf eine psychiatrische Station für Depression und Borderline passen.“
Ich: „Nur das ich in meinem normalen Leben 4 Tage die Woche arbeiten gehe und kaum im Bett liege…“
S: „Sehen Sie..Genau da ist der Widerspruch. Wenn es Ihnen wirklich so schlecht ginge – wie sie behaupten- dann könnten Sie gar nicht mehr arbeiten.“
Ich: „Na ja, es ist ja auch die Frage WIE ich arbeite..Ich kann nicht lange sitzen und bin ziemlich eingeschränkt..“ (Im Bürodienst liege ich über drei Stühle ausgebreitet. Wenn ich im Museum 8 stunden gearbeitet habe, wird mir regelmäßig schwarz vor den Augen und ich habe Umkipp- Tendenzen..Jeder Schaffner auf der Strecke kennt mich mittlerweile, weil das meistens in der Bahn passiert)
S: „Aber wenn Sie wirklich so starke Schmerzen in der LWS haben, warum können Sie dann hier Treppen steigen?“
Ich: „Ich konnte mit einem Massenvorfall joggen…Bei mir ist vieles nicht ganz einleuchtend… Ich habe bis zur Nacht vor der dritten Not-Op gearbeitet“ (Erst bin ich zu depressiv Treppen zu steigen, dann wird der ganze Sachverhalt wieder gegen mich verwendet und umgedreht. Toll!)
S: „Dann haben Sie eine Arbeitsstörung. Ich kann Ihnen nur raten: Machen Sie eine Psychotherapie!“
Ich: „Ich mache doch schon eine Psychotherapie…“
S: „Ach, das hatte ich nicht mehr im Kopf…Was machen sie denn für eine Art von Psychotherapie?“
Ich: „Keine Ahnung!“
S: „Sie sind doch intelligent. Liegen Sie? Sitzen Sie? Bekommen Sie Hausaufgaben?“
Ich: „Was geht Sie meine Therapieform an…Tiefenpsychologisch fundiert- glaube ich…“
S: „Sehen Sie…Das ist bei ihrer Erkrankung völlig falsch. Sie sollten zu einem Psychologen wechseln der DBT anbietet (Dialektisch Behaviorale Therapie) und sich auf eine Borderline Störung spezialisiert hat“
Ich: „Sie kennen mich doch überhaupt nicht“ (Die Borderline Störung hat mir ein Neurochirurg unterstellt, aber die ist mir nie von einem Psychologen bestätigt worden. Ich hätte den Part aus meiner Akte weglassen sollen…)
S: „Sie erzählen mir , dass Sie eine Essstörung haben…Jeden Tag dasselbe essen…Eine Zwangsstörung…Wenn es vorwiegend in der Therapie bei Ihnen darum geht und Sie nicht weiter kommen“
Ich: „Das ist aber doch meine Sache und die des Therapeuten. Ja, aber was hat das mit meinen gesundheitlichen Problemen zu tun?“
S: „Man weiß ja nie wohin sich solche psychiatrischen Störungen verlagern. Sie kippen bei einer Untersuchung nach rechts, obwohl sie links angeblich eine Schwäche haben.“
Ich: Ich hinke seit einem JAHR auf der falschen Seite -kontinuierlich…Ich laufe meine Schuhe so ab. Ich hatte vor den OP’s eindeutige Schäden in der Muskulatur – vorwiegend links..Ja…Aber vielleicht ist weiter oben..“
S: „Sehen Sie..Das ist nicht normal…Weiter oben ist nichts. Das haben wir untersucht“ (Neurologische Untersuchungen waren bei mir immer erst ergiebig, wenn ich kurz vor einem Querschnitt stand)
Ich: „Warum sollte ich denn absichtlich auf der falschen…“
S: „Wissen Sie wieviel Mühe ich mir gerade mit Ihnen gebe. Normalerweise dauert meine ganze Visite solange wie ich gerade mit Ihnen geredet habe…Wir könnten Sie auch einfach wieder entlassen und sagen, dass Sie ein chronisches Schmerzsyndrom haben.“
Ich: „Und warum machen Sie das nicht?“
S: „Weil die Oberärztin meint, dass solche Patienten wie Sie dann gerade durch das Raster fallen und man es abklären sollte…“
Ich: „Und was wird jetzt abgeklärt?“
S: „Das kann ich Ihnen noch nicht genau sagen.“

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2 Kommentare zu “Krankenhaus ÜBERLEBT(!) Teil (VI)

  1. hallo.ich hatte 2006 ein Liquorrunterdrucksyndrom was sich spaeter zu einem wie die Aerzte sagen wenn ihnen nichts mehr andres einfaellt,chron.Schmerzsyndrom entwickelte.Bei mir passierte es durch einen PERIDUALKATHETER im Rueckenmark,Ich wurde mit liegenden Kathetern entlassen.Als ich furchtbare Nackenschmerzen und Kopfschmerzen bekam wimmelte mich der Arzt, der dieses Pfuschwerk veranstaltete,einfach im Notfall ab.Eine unsagbar furchtbare Aerzteodysee begann……Ein schlimmer Brummtinnitus Schwindel und Kopfschmerzen blieb.Eswaere toll,wenn sie mir zurueckschreiben koennten.Mein Name ist Subathra,l.gr.

    • Hallo Subathra,

      Ich weiß nur nicht genau was ich dir dazu schreiben soll, denn ich habe bislang weder wirklich herausgefunden was ich habe, noch bin ich ein Arzt und kann dir/Ihnen weiterhelfen…Oder bist du mittlerweile Beschwerdefrei, seitdem der Katheter entfernt wurde…?
      Bei manchen, bei denen die Dura verletzt wurde etc. entwickelt sich eine Arachnoidits bzw. Arachnopathie…

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