Von toten Zähnen…Teil I

Die letzten fünf Tage dachte ich mal wieder darüber nach, ob ich 1) extrem halluziniere oder 2) sich schon wieder einer meiner Zähne ins Jenseits verabschiedet hat…(Okay, es ist erst der zweite tote Zahn, aber Zahn eins hat über den Zeitraum eines Jahres sich so oft wieder entzündet und sich sämtlichen Rettungsversuchen entzogen, dass es mir wie 10 tote Zähne vorkam….)

Jedenfalls hatte ich vor zwei Wochen dann den endgültigen Schritt gewagt und mir Zahn 1 ziehen lassen…Ich wusste gar nicht wie blutig und unangenehm so eine Prozedur ist…Ich war prinzipiell den ganzen Tag damit beschäftigt auf Kompressen zu beißen, denn es hörte und hörte nicht auf zu bluten. Zwar bin ich anatomisch gesehen kein totaler Vollidiot, aber so richtig bewusst war mir auch nicht, wie tief so ein kleiner Mini-Frontzahn in deinen Kiefer hinunter reicht und wie schön groß dieses Loch nach Zahnextraktion dann wirklich ist …(Die ersten 7-8 Tage heißt das BREIKOST…) Sehr lecker…(Vermutlich funktioniert aber meine Wundheilung auch nur verzögert, da meine Leukos sich ja weigern jenseits der 3600-3700 zu bewegen…Das ist natürlich auch ein Fest für jede Neuinfektion)

Nachdem ich das Martyrium der ersten 10 Tage -glücklich und ohne große Komplikationen- überstanden hatte, bemerkte ich ein erneutes ziehen, klopfen , pochen und dachte erst mal: Du hast Phantomschmerz oder doch eine Trigeminusneuralgie ???
Einen Tag später konnte ich das allerdings dann doch sehr eindeutig einem Zahn zuordnen, nämlich dem genauen Nachbar des fehlenden Frontzahns…Bei jedem Heiß- /Kaltgetränk hatte ich höllische Schmerzen…Selbst Joghurt war schon zu kalt und ich verfiel in tiefe Schmerzagonie, wenn irgendetwas meine Lippen berührte…Ich aß also noch weniger und war sauer auf die Welt, da ich echt hungrig war und ohne meine 10 erlaubten Nahrungsmittel bin ich echt auch kein angenehmer Gesprächspartner…Sei mal dauerhaft hungrig und habe tierische Schmerzen (Meine Mutter unterstellte mir absichtlich zu hungern..Ich verübel ihr die Idee nicht, denn das habe ich ja auch lange Zeit gemacht, aber es ging mir trotzdem auf den Nerv, dass sie mir nicht abnahm höllische Zahnschmerzen zu haben und ständig anzweifelte, dass ich gesundheitlich etwas habe…Auch meine Mutter liebt die Psyche als alleiniges Erklärungsmodell allen Leidens)
Mein Zahn erschien mir jedoch sehr greifbar entzündet, denn er hatte nun beschlossen mich mit dauerhaften pochen zu beglücken…Das übertraf nachts sogar noch meine alten Schmerzleiden und ließ mich kerzengerade im Bett stehen…Ich aß also zu meiner enorm ausufernden Pillenkombination noch die ein oder andere Ibuprofen hinzu…Das nütze aber auch nichts…Der Zahn entzog sich jedem analgetischen Schmerzmittelversuch…
Also tendierte ich letztlich doch zu Option 2 = Zahnarzt/also meinem Zahnarzt…Den hatte ich ja exakt 15 Tage nicht gesehen…Es wunderte mich auch, dass ich am Telefon nicht viel erklären musste, außer „anderer Frontzahn pocht die ganze Zeit und tut weh…“ Prompt bekam ich ein: „Kommen Sie heute um 11.30h vorbei…Dann befreien wir sie von ihrem Leiden“ Fand ich fast einen poetischen Satz in meinen schmerzgeplagten Ohren (bzw. Zähnen, aber die hören ja nicht)…

Mein Zahnarzt liebt ja tote Zähne, Endodontien (Wurzelbehandlungen) sind einer seiner Lieblingsbeschäftigungen…Aber er kann auch angesichts eines neu erworbenen Vergrößerungs-Mikroskops in Verzückungen geraten…Bei meiner letzten Kariesbehandlung fand er jedenfalls toll, wie groß doch so alles aussieht und wie exakt man arbeiten kann…(Auch dieser Zahn steht auf der Kippe, aber wir (Zahnarzt und ich) geben ihm noch Erholungschancen…Schließlich nervt er mich nur beim kauen und der Karies reichte nicht ganz bis zur Wurzel und er ist auch immer noch am Leben)

Heute musste mir der Zahnarzt aber erstmal demonstrieren, dass mein zweiter Frontzahn – wirklich mittlerweile ein toter Zahn ist…
1) Klopfe dem Patienten mit einem herumliegenden Instrument deiner Wahl sacht gegen den ‚vermuteten toten Zahn’…Geht der Patient in die Luft= deutliches Anzeichen, dass der Zahn entweder tot oder am absterben ist…Wiederhole selbiges Manöver an einem sicher gesunden Zahn und zeige, dass dies eigentlich nicht weh tun sollte
2) Drücke etwas eiskaltes gegen den toten Zahn…Ist er schon ganz abgestorben, ist Patient dabei äußerst relaxt. Wiederhole dies an einem lebenden Zahn= Patient geht wieder in die Luft…

(Mein Zahnarzt ist übrigens im Umgang ein ausgesprochen freundlicher/respektvoller Mensch, vielleicht kann er das auch gerade deswegen sein, weil er eben eine Möglichkeit hat seine andere Seite ein bißchen auszuleben. Denn Patienten muss man immer quälen…-Egal wie höflich man dabei ist)

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