(Selbst-)Entzugsversuche: Oder wie man nicht mehr von Morphium los—kommt oder los—kommen kann

Ich bin gerade an Tag 6 meines Selbstversuches…Dem ABSETZEN von Hydromorphon…Das ist jetzt Versuch Nr. 3. in den letzten Monaten wieder von den tollen /retardierten /hochdosierten Schmerzmitteln (Opioden/Morphium) runterzukommen…Bislang ohne besonderen Erfolg… (Vielleicht auch, weil ich immer noch nicht wirklich die Ursache meines Problems kenne. Mit ca. 8 Nervenläsionen lebt es sich auch nicht wirklich angenehm…Wobei die Kollegin meines Hausarztes zu mir meinte, dass Nervenläsionen und Spinalkanalstenosen doch so viele Menschen hätten und ich mehr Psychotherpaie als Medikamente bräuchte..Ich weiß ja nicht WIE sie darauf kommt: Selbst die Empfehlung der Neurologen (vor 3-4 Monaten )war ja nur wieder die Medikation umzustellen auf Lyrica und Amineurin…Dieses Experiment hatte ich schon und Lyrica hilft absolut nicht gegen die tollen Einstiche in meiner Wirbelsäule: sprich Rückenschmerz… Dennoch weigert sich die Kollegin meines Hausarztes mir BTM’s auszustellen und stellt mich in die Ecke des Drogenjunkies…Irgendwie gebe ich ja auch zu, dass ich ABHÄNGIG bin, aber es gibt auch gute Gründe WARUM man dieses Zeug braucht…Außerdem habe ich selbst MIT Hydromorphon und Oxycodon starke Schmerzen, aber eben aushaltbarer…Ich phantasiere unter dem wunderbaren Einfluss der Medikamente jedenfalls nicht ständig darüber, meinen Kopf gegen die Wand zu schlagen oder mir Schnittwunden mit Messern in die Haut zu ritzen, um irgendwie eine Schmerzablenkung zu haben…Momentan finde ich Rasierklingen sehr anziehend…Nur die Erkenntnis, dass es sowieso nix nützend würde mir in den Arm zu schneiden, da neuropathische Schmerzen und durchbruchartige Rückenschmerzen (Kribbeln, Brennen) sehr viel schlimmer ist, hält mich von der Umsetzung ab…

Eigentlich sollte ich auch gerade meine Diplomarbeit schreiben, aber ich kämpfe gerade mit solchen atembetäubenden Schmerzattacken, dass ich alle 20-30 min. laut schreien könnte..Natürlich verhalte ich mich zivilisierter und jammere im Extremfall nur vor mich hin… Mein Schmerz ist eigentlich auch schon abwechslungsreich genug. Das alte Schmerzmuster aus üblen Kopfschmerzen, verbunden mit Rückenschmerzen an mehreren stellen und dem tollen Kribbeln in sämtlichen Extremitäten ist bereits ein dreifaches HIghlight. (Allerdings kribbelt es mal abwechselnd überwiegend in den Armen und dann fast nur in den Beinen…Bzw. meine Beine fühlen sich enorm taub an…)

Ich muss aber zugeben, dass es schon eine echte Verbesserung zu den Vortagen ist…, wo ich zusätzlich noch Schüttelfrost, Kreislaufzusammenbrüche, Fieber, Erbrechen und Durchfall hatte…In diesem Zustand auch noch in der Stadt herumzulaufen ist dann natürlich selten blöd, aber dummerweise ist LIEGEN gerade das, was alle diese total bescheuerten Schmerzattacken provoziert…Also habe ich zunächst auf biegen und brechen versucht auf den Beinen zu bleiben…Mit dem Ergebnis, dass ich einmal auf einer öffentlichen Toilette übergeben habe und beim Einkaufen dann das Bewusstsein für ne Minute oder zwei verloren habe, sodass um mich herum ca. 10 Leute standen und darüber diskutierten, ob ein Krankenwagen jetzt angezeigt wäre oder nicht…(Leute sind echt seltsam und handeln nicht unbedingt, wenn etwas passiert…Ich bin allerdings FROH, dass keiner sein Handy gezückt hat, denn ich WILL unbedingt meinen Abschluss machen. Ferien in der Neurologie/Psychiatrie kämen mir jedenfalls absolut nicht entgegen oder wo immer man chronifizierte Schmerzpatienten mit psychischen Komorbiditäten so auf die Schnelle hin abschiebt…)
Eigentlich versuche ich ja AUCH herauszufinden, WO ich überhaupt Schmerzen habe…Denn unter Oxycodon oder Hydromorphon ist alles doch sehr GEDÄMPFT und die Schmerzattacken sind nicht ganz so intensiv und wirken eher wie ein diffuser Ganzkörperschmerz ohne konkrete Lokalisation…So ist das zwar nach wie vor VÖLLIG diffus, aber ich kann zumindestens 2-3 Hauptpunkte in meinem Körper ausmachen…

Irgendwie ist das ein ziemlicher Jammerbeitrag, der ziemlich wenig Sinn macht, aber mir gerade Mal danach…

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18 Kommentare zu “(Selbst-)Entzugsversuche: Oder wie man nicht mehr von Morphium los—kommt oder los—kommen kann

  1. Hallo ich habe gerade deinen Beitrag gelesen und kann dir nur empfehlen den Entzug von Hydromorphon Nur unter ärztlicher Aufsicht zu machen weil es sonst nicht hinhaut. Ich habe gerade einen Entzug in einer Schmerzstation einer Uniklinik gemacht. Ich bekam meine Dosis Hydromorphon als Infusion welche unter gleichzeitiger Gabe von einem Entzugsmedikament namens Clonidin täglich langsam reduziert wurde. Die eigentlichen Entzugssymtome begannen erst zwei Tage nach der letzten Gabe. Sie waren höchst unangenehm aber erträglich. BITTE wende dich an eine Schmerzambulanz einer Klinik alleine ist das nicht zu schaffen. ALLES GUTE FÜR DICH….

    • Danke, für den Kommentar…Ich bin mittlerweile von Opiaten runter und wieder auf Gabapentin eingestellt…Also ich habe den Entzug schon so alleine hinbekommen, wobei ich es ohne Selbst-Umstellung auf ein Antiepileptikum nicht geschafft hätte…Also die neuropathischen Schmerzen sind eindeutig schlimmer als der Entzug/die Entzugserscheinungen…

  2. bin auch grade dabei von hydromorphon zu entgiften. aber stationär im kkh. ist echt nicht lustig und zieht sich ewig hin. schon der 5te nulltag und noch keine wirkliche linderung der symptome erkennbar. böse zungen behaupten, dass sich das ganze bis zu 4 wochen hinziehen kann… bin echt froh wenn das schlimmste vorbei ist. am schlimmsten finde ich aber meine psyche, die immer wieder danach schreit. fühlt sich teilweise an wie Liebeskummer! manchmal kann ich einfach aus dem nichts weinen, als ob mir was gewalltig fehlen würde. joa, tut es ja auch 😀
    wünsche dir alles gute und viel kraft und erfolg und so.
    netter blog, danke dafür

    • Ich hoffe, dass es Dir heute etwas besser geht und der psychische Druck – Tabletten nehmen zu wollen – nicht ganz so schlimm ist…
      Weswegen hast du den Hydromorphon genommen?
      Bei mir waren es drei Wirbelsäulen OP’s und ungeklärte Nervenläsionen? (Habe ich alles immer noch und daher stehe ich jetzt unter Gabapentin, aber Anti-Epileptika haben keinen ganz so schlimmen Ruf und sind Medikamente, die man langfristig einnehmen kann..)

  3. bin heute entlassen worden… bin zwar immernoch mitten im entzug, aber was solls. das schlimmste ist geschafft.
    ich bin chronischer schmerzpatient nach einer sulcus ulnaris op, die falsch gemacht worden ist. insgesammt waren danach noch 2 ops nötig um das einigermassen in ordnung zu bringen.

    • Nennt man vermutlich Entlassung wegen erreichter Liegezeit (Fallpauschale)…Wenn es Dir nicht besser gehen sollte, kann dein Arzt dir evtl. mit einer Akut-Psychosomatik weiter helfen, aber nur – wenn Du das überhaupt möchtest…Manche Uniklinika haben auch Schmerzstationen, die wieder aufnehmen im Bedarfsfall…

  4. ist es normal, dass mir alles so irreal vorkommt? kann mich schlecht konzentrieren und bin absolut wirr in der birne…

    • Wie lange bist Du denn jetzt ohne Hydromorphon??? Vermutlich ist schlechte Konzentration und Wirrheit immer noch Suchtdruck und Verlangen auf HM…
      Wenn es nicht besser wird, dann zum Hausarzt gehen und sich was „Angstlösendes“ etc. verschreiben lassen… Diazepam oder so…(Macht zwar auch abhängig, aber für ganz kurze Zeit ist es okay…)

      • sind jetzt 10 tage ohne. nimm 100mg amineurin… suchtdruck hab ich iwie keinen, aber klarkommen tu ich auch nicht. ne, dias mag ich nicht nehmen, zu viel suchtpotential. und da ich ein suchtbolzen bin ist das eher kontraproduktiv.

      • Kann ich verstehen…Amineurin hat bei mir nicht wirklich gut gegen die „Nervenschmerzen“: neuropathischen Schmerzen geholfen, aber manch anderem Patienten schon….Oder was meinst du mit „nicht klarkommen“?

  5. nicht klarkommen tu ich mit meiner psyche grad. weiss nicht wie ich das beschreiben soll… ich komm mir vor wie nach einem heftigen wochenende mit drogen und alk. ist das normal oder bin ich einfach durch? vielleicht liegts ja auch am amineurin…

    • Amineurin hat bei den meisten Menschen einen stark sedierenden (betäubenden) Effekt…Also viele schlafen verstärkt darauf und beschreiben das z.B. mit: „Wie im Nebel stehen.“ Soll sich mit der Zeit legen und dann antriebssteigernd sein…Also der antidepressive Effekt kommt dann quasi später. (Wenn man es in einer höheren Dosis nimmt) 0-0-25mg bekommt man bei Nervenschmerzen und kann bis auf 100mg gesteigert werden…Man nimmt es eigentlich in einer geringeren Dosis und nicht so hoch wie bei einer Depression…

      Bei mir hatte das Zeug von Anfang an eher eine paradoxe Wirkung…Ich war eher hyper, schlaflos und irgendwie fand ich alles eher lustig…Auch Sachen, die man unter normalen Umständen eher schlimm fände…Aber das ist eher die Ausnahme…+ Ich war außerdem alles andere als schmerzfrei…Also die Nervenschmerzen in den Beinen hat es mir nicht genommen…

      Haben dir die Ärzte nix zu Amineurin gesagt???

      • gesagt haben se schon was, aber nicht das es so balabala in der birne macht. wird grad auch jeden tag ein wenig besser. schmerzen hab ich nicht mehr so wie früher, dass hab ich durch sport relativ gut in den griff bekommen. deswegen konnte ich ja auch meine schmerzmittel absetzen. wäre natürlich was anderes gewesen, wenn die schmerzen wieder zu heftig geworden wären. aber im moment ists aushaltbar.

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